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Das Aussiger Gymnasium
Im Jahre 1880, als Aussig bereits 16.524 Einwohner zählte, gab es in der Stadt außer der Volks- und Bürgerschule noch keine höhere Lehranstalt. Wohl regte im Jahre 1883 der Zivilingenieur Adolf Kögler, der spätere Bürgermeister, in einer Sitzung des Gemeindeausschusses die Gründung einer Unterrealschule an, während der Rechtsanwalt Dr. Theumer sich für ein Untergymnasium aussprach. Es blieb aber zunächst bei der Anregung. 1886 wurde vom Kaufmännischen Verein die 2-klassige „Höhere Handelslehranstalt` ins Leben gerufen, die 1889 3-klassig und 1900 4-klassig wurde und den Titel „Handelsakademie" erhielt. Die Gründung einer höheren Schule und zwar eines Gymnasiums kam erst 1891 wieder zur Sprache. Am 05. Juni 1893 bewilligte die österreichische Unterrichtsverwaltung die Errichtung eines Untergymnasiums mit obligatem Zeichen- und Turnunterricht Gleichzeitig wurde der „k. k. wirkliche Gymnasiallehrer" Dr. Gustav Herfiel in Brüx und der supplierende Gymnasiallehrer Dr. Georg Bruder in Saaz zum wirklichen Lehrer am „Kommunaluntergymnasium In Aussig" bestellt Zu diesen beiden Lehrern traten noch P. Alfons Walter für die katholische, Albert Gummi für die evangelische und Salomon Baß für die mosaische Religion und der Musiklehrer Ignaz Schlosser für Gesang. Diese Herren bildeten also den Lehrkörper für die erste Klasse, die 1893 im zweiten Stock des alten Schulhauses in der Salzgasse untergebracht wurde, wo das Kommunal-Untergymnasium" bis zum Jahre 1898 verblieb, als es bereits fünf Klassen zählte. Damals wurde die Frage eines Neubaus für das Gymnasium erörtert, doch entschloss sich die Stadtverwaltung, die im Jahre 1892 neu erbaute Mädchen-Volks- und Bürgerschule am Eck der Großen Walstraße und Hasnerstraße dem Gymnasium zur Verfügung zu stellen. Im Jahre 1900 wurde auf den schon bestehenden Turnsaal noch ein Festsaal aufgebaut und ein Anbau am Flügel in der Hasnerstraße im Jahre 1909 bot auch der „Höheren Töchterschule", die 1895 von Direktor Herfiel gegründet, aus der Schule in der Salzgasse mit übersiedelt war, weitere Unterrichtsräume. Zur Zeit als die Anstalt in das neue Haus übersiedelte, hatte Direktor Herfiel beantragt, parallele Realschulklassen zu errichten, doch ging der Stadtrat noch nicht darauf ein. Zur Gründung einer Realschule sollte es erst im Jahre 1909 kommen. Seit 22. November 1900 führte die Anstalt den Namen „Kaiser-Franz-Josef-Kommunal-Gymnasium". Mit 1. September 1902 wurde die Anstalt in die Staatsverwaltung übernommen und führte bis zum Zusammenbruch des alten Österreich den Titel „K. k. Kaiser-Franz-Josef-Staatsgymnasium". Nach dem bewährten Lehrplan für österreichische Gymnasien wurden die Schüler im humanistischem Geiste und vaterländischem Sinne erzogen. Auf die Schulgesundheitspflege legte Direktor Herfiel besonderen Wert, Turn- und Spielfeste kehrten alljährlich wieder. Durch kürzere und längere Schulausflüge wurde die Jugend mit der engeren und weiteren Heimat bekannt gemacht
Nach dem politischen Umsturz im Jahre 1918 wurde die Anstalt
„entösterreichert". Der neue „Normallehrplan" vom 14. Juni
1919 wünschte eine größere Pflege der Muttersprache - wobei
die Tschechen natürlich an sich selber dachten - ferner eine
Möglichkeit zum Studium lebendiger Sprachen und eine erhöhte
naturwissenschaftliche Ausbildung. So wurde das Gymnasium
mit Beginn des Schuljahres 1920/21 in ein Realgymnasium
umgewandelt An Stelle des Griechischen wurde von der dritten
Klasse angefangen Englisch unterrichtet; Religion war von
der 6. Klasse angefangen kein Unterrichtsgegenstand- mehr.
Die naturwissenschaftlichen Fächer wurden mehr
berücksichtigt Trotz aller zweckmäßigen Neuerungen, auf die
hier im Einzelnen nicht eingegangen werden kann, entbehrte
die deutsche Schule doch der inneren Freiheit ihres Denkens
und Fühlens. „Der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe
folgend" mussten von Lehrern und Schülern die tschechischen
Staatsfeiertage mitgefeiert werden, die gelegentlich von
Beamten des Ministeriums und des Landesschulrates
kontrolliert wurden.
Der Anschluss des Sudetenlandes an das
Deutsche Reich im Jahre 1938 wurde als eine Befreiung von
unnatürlichem Zwang empfunden. Man fügte sich auch in die
Neuerungen des Unterrichtsbetriebes, da man eine neue Zeit
gekommen glaubte, aber die Entfernung zweier jüdischer Lehrer
und der jüdischen Schüler wurde als eine bedauerliche Härte
empfunden. Aus dem Realgymnasium wurde wieder ein Gymnasium. Die
Bewertung der einzelnen Gegenstände im Gesamtunterricht kam auf
den neuen Zeugnissen zum Ausdruck: Nun stand an der Spitze die
Leibeserziehung; es folgten Deutsch, Geschichte, Erdkunde,
Kunsterziehung, Musik, Biologie, Chemie, Physik, Rechnen und
Mathematik, Latein, Griechisch und Englisch, dann die
Wahlfächer. Auf den Zeugnissen für das Schuljahr 1940/41 war die
Note für Religionslehre noch an vorletzter Stelle vor der
Einführung in die Philosophie vorgesehen, doch erhielten die
Schüler von diesem Jahre an, soweit sie noch den
Religionsunterricht besuchten, ein besonderes Zeugnis durch den
Religionslehrer. Noch aber lebt in den Herzen der Schüler die Erinnerung an ihre Lehrer. Im Laufe des halben Jahrhunderts wirkten an dieser Schule rund 190 Lehrer und Lehrerinnen. Der Gustav Hergel leitete die Anstalt vom Jahre ihrer Gründung 1893 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand am 1. Mai 1926, also fast 33 Jahre. Am 8. Jänner 1928 ist er gestorben. Bis zur Ernennung des neuen Direktors hatte Dr. Berthold Weis die Leitung inne. Am 1. August übernahm Dr. Hans Sachs die Leitung und führte sie bis zum 22. März 1943. Nachdem auch die Oberstudienräte Dr. Alfons Knittel und Dr. Anton Präger die Leitung innehatten, wurde der bisherige Direktor der Realschule Franz Schübel zum Direktor des Gymnasiums bestellt. Dieser führte sein Amt aber nur die wenigen Monate bis zum Zusammenbruchs am 9. Mai 1945. Die Aufzählung der Lehrer, die am Gymnasium
wirkten, würde bei manchem Schüler sicher irgendwelche
Erinnerungen wecken, aber sie würde im Rahmen dieses Aufsatzes
doch zu weit führen, aber einiger Lehrer sei besonders gedacht.
Das Aussiger Gymnasium kann im Laufe seines mehr als 50-jährgen Bestandes auf die Heranbildung vieler Schüler verweisen, die es später zu einer angesehenen Lebensstellung gebracht und im öffentlichen Leben etwas geleistet haben. Jetzt bildet die Erinnerung an das Gymnasium freilich nur einen Abschnitt in der Geschichte des geistigen Lebens unserer Heimatstadt, aber wir dürfen mit Stolz darauf zurückblicken. Da ich acht Jahre von 1894 bis 1902 Schüler und von 1913 bis 1945, also durch 32 Jahre Lehrer am Aussiger Gymnasium war, erlebte ich die Blütezeit und das Ende dieser ehrwürdigen Stätte höherer Bildung Aus dem Aussiger Gymnasium sind auch Lehrer für die anderen höheren und niederen Schulen der Stadt oder der Ferne hervorgegangen. So hat also das Gymnasium die Erwartungen erfüllt, die seine Gründer in Bezug auf die Hebung der geistigen Kultur unserer Heimatstadt von ihm gehegt haben. Jetzt bildet die Erinnerung an das Gymnasium freilich nur einen Abschnitt in der Geschichte des geistigen Lebens unserer Heimatstadt, aber wir dürfen mit Stolz darauf zurückblicken. Da ich acht Jahre von 1894 bis 1902 Schüler und von 1913 bis 1945, also durch 32 Jahre Lehrer am Aussiger Gymnasium war, erlebte ich die Blütezeit und das Ende dieser ehrwürdigen Stätte höherer Bildung.
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