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Wer im Erzgebirge geboren und aufgewachsen war, kam
immer wieder und ganz besonders traditionsgebunden am Fronleichnamsfest, dem Tage des
Herrn. Wochen vor dem Fest begannen schon die Vorbereitungsarbeiten. Wenn zu Pfingsten das
Haus noch nicht weiß getüncht war, so wurde es unbedingt vor dem Fronleichnamstag
nachgeholt. Gans besonders wurde die Dorfkirche ausgeschmückt. Die gräflichen
Domänenverwaltungen Kulm und Tellnitz stellten kostenlos die jungen grünen Birken zum
Ausschmücken der Kirche und der Außenaltäre. Der Mittelgang der Kirche wurde von beiden
Seiten in eine grüne Birkenallee verwandelt- Dazwischen lag der rote Teppich zu Ehren des
hohen Festtages. Jeder Altar in der Kirche wurde mit Blumen von den Dorfbewohnern
geschmückt. Unter gottesfreiem Himmel wurden fünf Altäre in Zusammenarbeit mit dem
Dorfpfarrer aufgestellt, bereits um fünf Uhr früh wurde mit dem Aufbau begonnen. Vor der
Kirche wurde der Prozessionszug aufgestellt. Der Dorfpfarrer trug die Monstranz unter dem
goldbestickten Baldachin, der von vier Gemeindevertretern im Frack und Zylinder mit
weißen Handschuhen getragen wurde. Sämtliche Dorfkinder im schönsten Sonntagsstaat
streuten Blumen aus ihren Bastkörbchen und verschönerten das Straßenbild. Die
Forstbeamten der Domänen Kulm und Tellnitz, die in den Erzgebirgswäldern ihren Dienst
verrichteten, gingen geschlossen in ihren grünen Sonntagsuniformen. Das Vereinsleben
wurde im Erzgebirge ganz besonders gefördert und man sah die Feuerwehr, den Krieger- und
Gesangverein, sowie den katholischen Frauenverein mit ihren Fahnen andächtig im
Prozessionszug mit eingereiht- Bis zu fünf Musikkapellen hatten ihre Instrumente auf
Hochglanz gebracht und begleiteten den Festzug. Wenn dann im strahlenden Sonnenschein das
uns allen bekannte Lied O Engel Gottes eilt hernieder" vom Kirchenchor
gesungen und von den einheimischen Musikkapellen begleitet wurde, war der gottesfürchtige
Erzgebirgler wie verwandelt und in Ehrfurcht vor Gott und seinen Mitmenschen zog die
Dorfgemeinschaft von Altar zu Altar um Gottessegen für die Familie, Feld und Viehbestand
zu erflehen. Wenn der Umzug zu Ende war, nahm der Erzgebirgler einen Birkenzweig vom
Außenaltar und ging mit seinen Angehörigen nach Hause. Nach dem Mittagessen ging er auf
das Feld und steckte den gesegneten Zweig in sein Kornfeld, damit es vor Hagel und
Unwetter geschützt sein sollte. In den Nachmittagsstunden pflückten die Kinder
Feldblumen, die zu einem Kranz gebunden wurden. Im Nachmittagsgottesdienst wurden die
Kränze geweiht. Danach wurde er gut aufbewahrt und bei Krankheiten der Haustiere sparsam
verfüttert. Nach alter Überlieferung sollten die Haustiere davon ihre Krankheiten
überstehen. |
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Zusammenfassend wäre zu berichten, dass der
Fronleichnamstag vom Erzgebirgler nach alter Überlieferung und Tradition immer als
höchster Feiertag anerkannt wurde.
Im Sinne seiner unermesslichen Liebe und Treue zu seiner Erzgebirgsheimat und zur Pflege
der Dorfgemeinschaft, hat er zu feierlichen Gestaltung von Festtagen immer alles getan und
viel Zeit geopfert, damit die von seinen Vorvätern übernommenen Sitten und Gebräuche
voll erhalten blieben. |