|
DIE FRUEHGESCHICHTLICHE ZEIT. |
|
Aus dem Buch "Geschichte der deutschen Stadt Aussig", geschrieben von Dr. Franz Josef Umlauft. |
|
Herausgegeben vom Hilfsverein Aussig e. V. Muenchen. |
|
Das Buch ist leider vergriffen. |
|
Bearbeitet von K. H. Kralowetz. |
|
Im Jahre 993 schenkte der boehmische Herzog Boleslav II. dem Kloster Brzewnow die zehnte Woche vom Grenzzoll in Kulm (Chlumecz) und vom Elbezoll in Aussig (na Vsty super Albiam), was aus der Gruendungsurkunde des genannten Klosters vom 15. Jaenner 993 hervorgeht. |
|
Ueber Kulm fuehrte ein uralter Weg, eine "Landstraße", also ein Weg, der außer Landes fuehrte. In Kulm konnten wir zu jener Zeit noch den Eingang oder Ausgang des breiten Grenzwaldes sehen, der Boehmen vom Lande Meißen trennte. Nach den Feststellungen unserer Heimatforscher fuehrte der "Sorbenweg" von Dresden ueber Dohna das Mueglitztal herauf nach Ebersdorf, am Schauplatz und an der Kulmer Waldkapelle vorbei nach Kulm und von da ueber Karbitz, Wicklitz, Lochtschitz, Hlinai, Schima, Paschkopolepaß, Wellemin ins Innere des Landes. |
|
In Aussig wurde der Elbezoll von Waren erhoben, die aus dem Inneren des Landes oder vom Ausland kamen. Jedenfalls bildete Aussig schon einen Umschlagplatz, von dem aus Waren auf dem Landwege weiter befoerdert wurden. Ein solcher Weg war die alte Salzstraße, die von Aussig ueber Lerchenfeld, Postitz, Troschig, Zuckmantel, Saara, Klein-Kahn, Oberkoenigswald durch den sogenannten Holzgrund nach Nollendorf und von da ueber Peterswald nach Halle in Sachsen weiterfuehrte. Boehmen hatte kein Salz, so daß es von Norden oder von Sueden eingefuehrt werden mußte. Pferde, die Schiffe bis Aussig flußaufwaerts zogen, wurden auf dem kuerzeren Wege uebers Gebirge, eben auf der Salzstraße, nach Pirna zurueckgetrieben. |
|
Von Aussig fuehrte die alte Landstraße nicht durchs Elbetal, da man einem Hochwasser ausweichen mußte, sondern ueber Hottowies, Elbogen, Stoeben, also ueber die Berge, in der Richtung nach Prag. Das war die "privilegierte Handels- oder Kommerzialstraße", die fuer Aussig so wichtig war. |
|
Aus der Zeit der slawischen Besiedelung vor dem Jahre 1000 duerften die meisten der ehemaligen Runddoerfer stammen, deren Namen auf "itz" endigt und deren im Aussiger Bezirke ungefaehr 40 gezaehlt werden koennen. Diese Endung deutet auf alte Sippensiedlungen, die eben gewoehnlich die Form eines Runddorfes hatten. Juengeren Ursprungs sind die Reihen- oder Straßendoerfer. Die Waldhufendoerfer duerften erst seit dem Ende des 12. Jahrhunderts entstanden sein. |
|
Da das Prager Bistum 973 n. Chr. und das Kloster Brzewnow 993 gegruendet wurden, dem ein Teil der Einnahmen vom Elbezoll in Aussig zugewiesen wurde, muß man annehmen, daß das Christentum auch in unserer Gegend bereits Fuß gefaßt hatte. Als der Herzog Spitihnew im Jahre 1057 die Collegiatkirche von St. Stephan in Leitmeritz gruendete, wies er ihr den achten Teil der Zolleinnahmen in Aussig (Usthi) zu, ebenso den Untertan Krisan mit einer Feldflur, die »Bresnik" genannt wurde. (Prießnitz, Schoenpriesen.) |
|
Im Jahre 1088 wird von Kojeditz berichtet, daß sich dort zehn Wirte (hospites) niedergelassen haben. Malschen ist im gleichen Jahre schon Besitz der Wyschehrader Kirche. Aussig (Uzti) wird erst im Jahre 1186 wieder urkundlich, indes schon vorher andere Orte genannt werden, so 1169 Lieben (na Levine prope Usti), Herbitz (Hribovici), Kamitz (Camic), Obersedlitz (Nowosedlyczie), Budowe (Zbudco). 1186 bestehen schon die Siedlungen Großpriesen (Brziezina), Kleinpriesen (Breznec), Rongstock. (Roztoky), Poemmerle (Poverl, Povrrili), Reindlitz (Rigici), Schwaden (Swadou), Kojeditz (Coiatici), Salesel (Zalezli), Nestomitz (Nedtemici), Sdtoenpriesen (Breznik), Boehmisch-Neudoerfel (Naugesde) und andere Orte. |
| Im Jahre 1186 muß Aussig bereits ein ansehnlicher Ort gewesen sein, da hier der boehmische Herzog Friedrich seine Tochter (Sophie) an Otto (richtig Adalbert), den Sohn des Markgrafen Otto von Meißen, vermaehlte. Diese Nachricht laeßt auch schon den Bestand einer Kirche in Aussig annehmen. |
| Die erste Kirche in Aussig ist dem heiligen Adalbert geweiht. Dieser stammte aus einer angesehenen Fuerstenfamilie Boehmens und wurde im Domstift zu Magdeburg erzogen. 982 wurde er zum Bischof geweiht und war Nachfolger des ersten Prager Bischofs namens Dietmar. Erging aber bald nach Rom und trat in ein Benediktinerkloster ein. Er kehrte wohl dann nach Prag zurueck, verließ es aber bald und predigte in Ungarn. 993 gruendete er das Benediktinerkloster in Brzewnow. Als er zum zweiten Male in die Heimat gerufen wurde, kehrte er schweren Herzens zurueck, denn seine Brueder und Verwandten aus dem Geschlechte der Slavnik waren ermordet. Deshalb floh er neuerdings, wirkte in Ungarn, Polen und Preußen. Dort wurde er erschlagen. Er starb am 20. 4. 997 und wurde in Gnesen bestattet. Herzog Brzetislaw I.(1037-1055) benuetzte die Zeit innerer Wirren in Polen zu einem Vorstoß bis Gnesen, wo er die Gebeine des hl. Adalbert erheben und nach Prag schaffen ließ, was im Jahre 1039 geschah. Die Aussiger Adalbertskirche ist also sicher erst nach diesem Jahre dem Heiligen geweiht worden. Sie duerfte das erste christliche Gotteshaus im weiten Umkreise des nachmaligen Dekanats Aussig gewesen sein. Ein Friedhof lag um die Kirche herum. |
| Bei der Gruendung des Frager Bistums wurde das Land in Archidiakonate eingeteilt, und diese Einteilung duerfte der alten Gaueinteilung entsprochen haben. Aussig gehoerte zum Archidiakonate Bilin und war Sitz eines Diakonats. Die erste steinerne Kirche in Bilin wurde 1061 erbaut und Aussig duerfte vor der Erbauung der Adalbertskirche von Bilin aus betreut worden sein. |
| Die koenigliche Burg in Aussig wird erst im Jahre 1283 urkundlich genannt, hat aber schon viel frueher bestanden, da sie die Zollstaette und den Eingang von der Elbe ins Hinterland zu schuetzen hatte. Sie stand bei der Muendung der Biela in die Elbe auf einer kleinen Erhoeung, zu der das Hochwasser der EIbe nicht reichte, und duerfte, abgesehen von einer Umwallung oder Ringmauer, nur ein Holzbau gewesen sein. Ihr Platz hieß bis in unsere Tage "Burgstadtl". Die bei der Burg " gelegene Siedlung hieß die Vorstadt, lateinisch "suburbium" |