AUS DER GRÜNDUNGSZEIT DES STADTMUSEUMS, Von Wenzel Rost , München

Die Anfänge dieser so bedeutsamen Sammlung reichen zurück bis in das Jahr 1876, wo der Aussiger Gewerbeverein ein" Gewerbe-Museum" ins leben rief, in dem die Mitglieder Vorbilder für ihre Arbeiten finden sollten. Dieses Museum wurde am 10. Mai 1877 eröffnet. Es war seit 1. Juli 1889 im Hause Falk, Marktplatz (Mengs-Haus) aufgestellt und wurde von dem Buchbindermeister Melzer beaufsichtigt. Dieses anfangs rein gewerbliche Unternehmen erhielt durch die Zuweisung von Büchern, Schriften, geschichtlich wichtigen Gegenständen einen historischen Einschlag. Im Jahre 1894 wurde es in den Saalräumen des Gasthauses "Zum Neptun", Osterstraße, aufgestellt und von dieser Zeit an von Adolf Kirschner als Kustos verwaltet. (Kirschner wurde 1849 in Gitschin geboren, er starb am 3. 3. 1918.)  
Über Kirschner schrieben die damaligen Zeitungen: Unter seinem Sammeleifer wuchs die Zahl der Gegenstände erheblich an. Der Verein, den die Erhaltung des Museums zu stark belastete, übergab alle Gegenstände am 6. 4.1901 an die neugegründete "Museumsgesellschaft", die am 8.12.1902 die an und für sich bedeutende Sammlung als" Stadtmuseum" eröffnete.  
Es wurde im alten Krankenhause am Spitalplatz untergebracht. Als man seine Räume für Zwecke des Elektrizitätswerkes benötigte, kamen die naturgeschichtlichen Abteilungen (1908) in das 2. Stockwerk des Stadtbades, die geschichtlichen (1911) in das Stadthaus am Markte. Am 16. 8.1914 fällt der Museums-Kustos Dr.Fritz Seemann auf dem Serbischen Kriegsschauplatz. Genannter wurde 1884 in Tichlowitz geboren.  
Die Absicht, in der Ohnsorgstraße ein eigenes Museumsgebäude zu errichten, konnte nicht durchgeführt werden. Dafür widmete der Stadtrat am 5. 3. 1919 dem Museum das neue Schloss in Türmitz. Am 7. 9.1919 wurde das neue Museum eröffnet. In der neuen Ausstellung konnte es nunmehr seiner Aufgabe, die naturgeschichtliche, geschichtliche und kulturgeschichtliche Entwicklung der engeren Heimat zu veranschaulichen, sehr gut entsprechen. Es gliedert sich in zwei Abteilungen. Die erste, die naturgeschichtliche enthält a) die mineralogisch-geologische und b) die Tiersammlung.  
Hier finden wir die Mineralien und Gesteine des böhmischen Mittelgebirges, vor allem die Originalbelegstücke der bis zum Jahre 1914 erschienenen geologischen Karten des Mittelgebirges von Dr. G. E. Hibsch, bedeutende Sammlungen von Tierresten, Lichtbilder, Karten; dann eine große Käfer- und Schmetterlingssammlung des Aussiger Bezirkes, biologische Präparate und Vögel.
Die zweite Abteilung, die geschichtliche und kulturgeschichtliche, enthält: Vorgeschichtliche Funde; mittelalterliche Burgenfunde; Zunftaltertümer; Schriftendenkmäler und Stiche; alte Gebrauchsgegenstände; Bilder von Aussig und Aussiger Persönlichkeiten; kirchliche Altertümer, Waffen, Münzen, Modelle, Erinnerungen an Kriege, Karten, Pläne, Reliefkarten, Andenken an Ulrike von Levetzow (Stiftung Baron Rauch).  
Den Besuchern des Museums fiel in einer Vitrine ein Generalshut mit grünem Federbusch auf. Auch diese Kopfbedeckung ist ein Andenken. Als im Jahre 1903 die Aussiger Gewerbeausstellung auf der sogenannten Planie (später Stadtpark) ihren Platz fand, übernahm Erzherzog Ferdinand Karl das Protektorat über diese Ausstellung. Der Protektor war ein Bruder des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand (gest. 1914 in Sarajewo) und des Erzherzogs Otto, Vater des Kaisers Karl und Großvaters des Erzherzogs Otto, derzeit in Pöcking (unweit des Starnberger Sees).  
Erzherzog Ferdinand Karl, der damals bei der Eröffnung der Ausstellung als Protektor in Aussig war, schenkte seinen Generalshut dem Gewerbeverein, der ihn an das Museum weitergab. Erzherzog Ferdinand Karl legte später seine Rechte als Erzherzog nieder, heiratete eine Bürgerliche und zwar die Tochter des Hofrates Zuber in Budweis.
"Aussiger Bote", vom Oktober 1961

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