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Aussig an der Elbe
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Karl Heinz Kralowetz
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| Schreckenstein, seit 1936 Stadtgemeinde, 1133 Häuser mit 10474 Einwohnern, entstanden 1921 aus
dem Zusammenschlusse der Orte Krammel, Obersedlitz und Alt-Schreckenstein, seit 1939
eingemeindet zur Stadt Aussig, mit der es durch zwei Elbebrücken verbunden ist. Am
rechten Elbufer gelegen, erstreckt es sich, der Krümmung des Stromes folgend, von der
Gemeindegrenze von Wolfschlinge-Schwaden. Bahnstation der NWB., Post Schreckenstein.
Katholisches und evangelisches Pfarramt. |
| a) Krammel (Schreckenstein III) liegt an der Elbebiegung auf
diluvialen Schottergrund und alluvianten Sanden, aufgespalten in die drei Parallelstraßen
Mozart-, Beethoven- und Tetschener Straße mit dem dieselben verbindenden Querstraßen,
Großwohnbau "Heimat", Schiller- und Brückenplatz, zahlreiche industrielle
Werke im Zuge der Tetschener Straße. - 1532 waren hier
ein Einkehrhaus mit Elbfähre (heute Gaststätte "Amerika"), eine Schiffmühle
und zwei Bauerngehöfte vorhanden. Krammel entwickelte sich erst seit dem Jahre 1836, in
welchem sich mehrere Schiffswerften hier auftaten, durch Häusel Zubauten von Schiffbauern
zu einem Dörfchen und nahm dann seit Gründung der Seifenfabrik Schicht (1882) und
anderer Industriewerke durch Wohnbauten in geschlossener |

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Schule in
Schreckenstein, Arch. Ernst Rücker |
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| Bauweise einen ausgesprochenen städtischen Charakter an. Öffentliche
Bauten: Knaben- und Mädchenvolksschule (1901), Apotheke (1903), Rathaus (1908) ,
gewerblichen Fortbildungsschule (1927), neue Elbbrücke (1936). b) Obersedlitz (Schreckenstein
II), bis 1922 selbstständige Gemeinde, liegt im Sattel zwischen dem Zischel- und
Schanzberge am Straßenzug. Krammel - Obersedlitz - Kojeditz und Obersedlitz - Neudörfel,
Eisenbahnstation.
Schreckenstein. Seit 1922 eingemeindet zur Großgemeinde Schreckenstein. Ursprüngliches
Bauerndorf (Rundling von 8 Höfen) aus wahrscheinlich jüngerer Gründungszeit, ( 13.
Jahrhundert). Landwirtschaft mit einigem Obstbau; der früher blühende Weinbau wurde vor
150 Jahren aufgelassen. Der Ort zählt heute zumeist Gewerbetreibende und Fabrikarbeiter. |

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| Vorgeschichtliche Siedelung (Lausitzer Kultur) am Hange des Angelberges
nahe dem Vogelgraben. Obersedlitz hatte 1654 nur 13 Häuser, von denen eins bewohnt war.
(9 Bauern, 3 Kleinbauern, 1 Gärtner). 1787 wurden 22 Nummern gezählt, 1887 erst 36
Häuser mit 292 Einwohnern, 1910 aber schon 105 Häuser mit 1391 Einwohnern. Diese
Entwicklung hat der Ort hauptsächlich den Schichtwerken zu verdanken, die 1882 von Johann
Schicht gegründet wurden. 540 Wohnhäuser. |
| Öffentliche Bauten: Evangelische Christuskirche (1900), katholische
Pfarrkirche (1901 - 1903) Hochquelleitung (1909), Gedächtniskapelle für die im
Weltkriege 1914 - 1918 gefallenen Heimatsöhne (1927), Johann-Schicht-Bad (1930),
Kinderasyl usw. |
| Neusiedlungen
a) rund um den Sattelberg seit 1927, b) am Tellhang seit 1932. Naher Aussichtspunkt die
Sattelbergkuppe (279m). |
| c) Alt-Schreckenstein (Schreckenstein I) |
| bis 1922 selbstständige Gemeinde, reichend von Elbbogen bei Aussig
(NWB-Brücke) bis zum Elbknie oberhalb Wannow am Straßenzug Aussig - Birnai. Den ältesten Teil
des heute so ausgedehnten Ortes bildete das sogenannte "alte Dorf", ein Rundling
aus der Zeit des 9. bis 10. Jahrhundert, der erst bei Beginn des 14. Jahrhundert unter dem
Namen des 1318 auf dem steilen Phonolithfelsen darüber erbauten Burg Schreckenstein
urkundlich wurde. Dieses Altdorf stand auf noch älteren Kulturboden, aus welchen
seit dem Bau der NWB. (1871) fortlaufend reiche Funde vorgeschichtlicher Besiedlungen der
jüngeren Steinzeit, Bronzezeit, des La Tene sowie der germanischen und nachherigen
slawischen Zeit gefördert wurden. |
| Durch Zubau von Häuselanwesen auf der "alten Schäferei",
aber auch im Altdorfe und bei der aufgelassenen herrschaftlichen Ziegelei auf der Podhora
hob sich die Häuserzahl bis zum Jahre 1848 auf 48. Erst seit 1896 wird das Wachstum der
Gemeinde durch ganze Gassenkolonien in der Nähe des Bahnhofes und oberhalb des Bahnhofes
vorwärtsgetrieben (Neu-Schreckenstein). |
| Im Jahre 1936 sind - nach Ausbau der Siedlung "Hinter der Burg"
(1926 bis 1928) - bereits 309 Wohnhäuser vorhanden. Hervorragende Bauten:
Hochquelleitung (1905), Volksschule (1908), Elbschleuse (1923 - 1935), Thermalbad mit
Bassin- und Wannenbädern (1031; Thermalquelle nahe der Birnaier Gemeindegrenze erbohrt
1929), Hauptschulgebäude ("Bürgerschule", 1931), --
Landwirtschaft mit
reichlichem Obstbau, besonders Gartenkulturen für Frühgemüse und Spinat;
Gewerbetreibende, Fabrikarbeiter. |
| Krammel, Obersedlitz und Alt-Schreckenstein gehörten (zugleich mit dem
Gebirgsgelände darüber hinaus bis zum Dorfe Proboscht) zuerst zum Kgl. Krongute und seit
der Erbauung der Burg Schreckenstein (1318) zu diesem Burgsitze. Alle drei Orte wurden im
30-jährigen Kriege hart mitgenommen. Im Jahre 1680 grassierte hier die Pest (alte
Pestfriedhöfe). Im Jahre 1756 gab es zahlreiche Plänkeleien zwischen dem auf dem
Schreckenstein lagernden Österreichern und den Preußen, die den Brückenkopf am Krammler
Ufer besetzt hielten. |
| Schrifttum: Viele Aufsätze in den "Beiträgen zur Heimatkunde des
Aussig-Karbitzer Bezirkes". Broschüre: Kennen Sie Schreckenstein? 1932 |
d) Die Burgruine Schreckenstein
| erhebt sich auf dem 80 m über dem Elbufer aufsteigenden, durch
einen klaffenden Riss gespalteten phonolithischen Burgfelsen, der nach NW und S schroff
abstürzt und bloß von der Ostseite her zugänglich ist. Vorgelagert ist der Meierhof und
das über alten Bastionen aufgebaute Vorwerk (Gesindestuben, Marstall, Brauhaus --
gegenwärtig Fremdenzimmer) mit sehenswertem Burgtor und darüber aufgebautem Torhaus
(Richard-Wagner-Zimmer, hier 1842 Entwurf zu seinem "Tannhäuser") I. Untere Burg: Stark ummauerte Burghof mit
darunterliegendem großem Keller, an den Burghof rechts angelehnt eine Gastwirtschaft. Die
Ummauerung wird durch einem vom Geschröff des Burgfelsens aufsteigenden, um 1570
errichteten sogenannten "Rittersaal" abgeschlossen; gegenüber am Burgfelsen
eine Gedenktafel für den Elbtalmaler Ernst Gustav Doerell (+ 1877). Auf schmalen, zur
Festplatte führenden Pfade gelangt man zu zwei alten Rundwarten. |
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| II.
Obere Burg: Über den abschüssigen, felsigen Burghofe erhob sich ehedem
ein Schloßgebäude, von dessen westlichen Flügel nur noch die Grundmauern des
Erdgeschosses und zwei ausgebrochene Fensteröffnungen des oberen Stockwerkes zu sehen
sind. Der südlich anschließende Flügel zeigt ein noch vorhandenes ebenerdiges, zum Teil
in den Felsen gehauenes Gemach mit vier spitzbogigem Fensterhöhlen, an dessen oberes,
nunmehr verschwundenes Stockwerk sich zuerst ein Gemach und dann die sogenannte
Burgkapelle anreiht. Der östliche Flügel (Erkerbau) umfaßte den Wehrgang, sodann einen
Raum mit halbvorspringendem Rundturm und das einstöckige Hauptgebäude (Palas), dessen
Untergemach als Wohnraum der Burgfrau, das obere als jener des Burgherren angesehen wird.
Seitlich des Palas erhebt sich in der Nordecke des oberen Burghofes der runde
Wartturm, dessen unterer Eingang ursprünglich nicht bestand. zwischen diesen und dem
Palas gelangt man über einen Holzsteg, der die Felsenkluft überbrückt (vormals
Zugbrücke) |
| III.
auf dem höchsten Teil der Burganlage das sogenannte Kastell. Dieses
zeigt die geringen Reste eines viereckigen Gebäude und am tieferen Felsrande zwei, durch
eine Brustwehr verbundene halbrunde Bastionen. |
| Geschichtliches:
Über Geheiß König Johanns im Jahre 1318 zum Schutz gegen die rebellierenden
Landesbarone von dem Prager Bürger Peter von Stein erbaut, befand sich die Burg und ihr
zugeeigneter Landbesitz 1319 - 1401 im Besitz der Wartenberge, zeitweilig (bis 1408) in
jenem des Markgrafen Wilhelm von Meißen, dann der Ritter von Kladno (1410 - 1479).
Zwischen 1479 bis 1563 wechselte der Burgbesitz unter sechs Lehensinhabern, von deren
letztem, Kaspar von Streutitz, er dauernd an das Geschlecht der Lobkowitz kam. Von 1420
bis 1434 bildete die Burg ein mächtiges Bollwerk gegen die Hussiten; im 30-jährigen
Kriege wurde sie stark verwüstet und im 7-jährigen Kriege vollends ruiniert. -- Allseits
bekannt ist das stimmungsvolle Gemälde "Überfahrt am Schreckenstein" des
berühmten deutschen Malers Ludwig Richter. -- Schrifttum: Dr. F. J. Umlauft, "Der
Schreckenstein", Aussig 1926 und 1939. |
Emil Richter, Oberlehrer i. R.., Aussig-Schreckenstein |
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