Erinnerung an Sobochleben. |
Schon immer wollte ich wissen, woher der Name meines Heimatortes Sobochleben kommt. Dass er mit dem Geschlecht der Ritter von Bleileben in Verbindung stand, hatte sich überliefert, dass der Name aber schon so früh erwähnt wird, macht mich stolz. |
| Vom Anfang meiner Schulzeit war ich Klosterschülerin. Schon da interessierte es mich, wie Sobochleben zu seinem Namen kam und in welcher Beziehung es zum Kloster in Mariaschein stand. Die "Domäne" von uns nur "Meierhof' genannt, gehörte zum Kloster in Mariaschein. Das war wohl den Wenigsten bekannt. |
Erst fern der Heimat wurde mir klar, welch Größe und Bedeutung unser "Meierhof' hatte: Große Stallungen, ein großes Gutshaus und früher sogar eine Brauerei. Das Gelände bestimmte den ganzen Ortskern. Um schneller in das Unterdorf zu kommen, gingen wir durch unseren "Meierhof' der oben und unten Tore hatte, die aber nie geschlossen waren. Der untere Ortsteil bestand aus Bauernhöfen. Dort stand auch unsere kleine Kapelle, von der aus die Prozessionen an jedem 3. Sonntag im Juni nach Mariaschein gingen. |
| In guter Erinnerung ist mir ein Spaziergang mit meinem Vater durch das kleine Wäldchen zwischen Unter-Marschen und Sobochleben, von uns nur das "Büschel" genannt. In diesem steht eine Eiche (ob sie wohl noch steht?) an dieser war eine Tafel angebracht, die verkündete, dass unter diesem Baum der Sage nach der Leibknecht des Ritters v. Bleileben ermordet wurde. |
| Eine besondere Erinnerung an mein Heimat-Dörfchen habe ich immer im Herbst. Wenn alles abgeerntet war, wurde das gedroschene Stroh zu einem haushohen Strohschober auf dem Gelände des Meierhofes aufgebaut, der aber jedes mal brannte. Unsere kleine Feuerwehr, der auch mein Vater angehörte, musste sich auf die umliegenden Häuser beschränken. Mein Elternhaus stand ungefähr 300 Meter vom Brandherd entfernt. Schön war es für uns Kinder, wenn die Garben Luft bekamen und wie Raketen in die Luft schossen. Das Feuer konnte man in weitem Umkreis sehen. Tagelang rauchte und qualmte es noch. Die Ursache blieb im Dunkeln. Waren es Landstreicher, die dort nächtigten? Hat sich das dicht gestapelte Stroh selbst entzündet? |
| Zum Geiersberg mit seiner Burg hatten wir Sobochlebener eine starke Beziehung, war er doch für uns Jungen und Mädchen vom Turnverein am 1. Mai immer unser Ziel, um dort die mitgebrachte "Brothucke" zu verzehren. Im Winter konnten wir von oben bis zum Erholungsheim rodeln. |
| Wie schön es da oben war , konnte ich meinem Mann, der aus Stettin stammte und in der Polizeischule stationiert war, zeigen. Er ist 1946 in russischer Gefangenschaft gestorben, was ich erst 1967 durch das "Rote Kreuz" erfahren habe. Wie gerne wäre ich mit ihm nochmals zum Geiers- berg gegangen. |
| Am 27. Mai 1945 musste ich als "Reichsdeutsche" die Heimat verlassen. Mich hat es nach vielen Umwegen in den Norden unserer Bundesrepublik verschlagen. Aber mein liebes Sobochleben werde ich nie vergessen. |
| Maria Liebers, geb. Reihs Mizzi, Bad Schwartau, Ludwig-Jahn-Straße ~ |