Geschichtliches über die Staats-Gewerbeschule in Aussig an der Elbe. |
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| Dort, wo die Ausläufer des Erzgebirges, die Zeugen der vor bald einem Jahrhundert statt gehabten vorbereiteten Kämpfe zur entscheidenden Völkerschlacht der Freiheitskriege. wo Kirche und Weiler von Nollendorf hernieder schauen auf das von der Wostrey gekrönte Tal der Elbe, an deren Abhang die sagenumwobene Burg Schreckenstein sich in den Fluten des Stromes spiegelt, auf dem Scheiderücken zwischen dem Laufe des Flusses und des Baches erhebt sich, weithin sichtbar. das neue Gebäude der k. k. Staats-Gewerbeschule. | ||||||||||
| Vom Plateau an der Abendseite schweift der Blick über die Vulkankegel der Milleschauer nach den Zinnen der Brüxer Berge, dem Schlossberge von Teplitz. Zu Füßen verleiht eine unübersehbare Flucht von Schornsteinen einer Landschaft das Gepräge, aus deren Tiefen der braune Diamant geschürft wird. um im Hafen von Aussig den Wasserweg anzutreten. Blühende, im In- und Auslande weit berühmte Industrien haben Besitz ergriffen von dieser Wasserkante ; stromabwärts liegen Holz- und Eisenschiffbau treibende Werften. Eine Schule aber, welche die Aufgabe der Heranbildung des gewerblichen Nachwuchses für diese Betriebe zu erfüllen hatte, fand dort keinen passenden Raum für ihre Entfaltung; sie hatte sich zurückzuziehen vom Ufer auf die umgebenden Höhen, welche sowohl dem geschäftigen Getriebe der Stadt als auch den qualmenden Schloten der Fabriken entrückt sind und dadurch nach anderer Richtung eine den Zwecken einer Schule dienlichere Lage geboten haben. | ||||||||||
| Der Gedanke der Errichtung einer Staats-Gewerbeschule reicht zurück bis in das Jahr 1897. Fußend auf dem starken Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule und auf dem Verlangen der Gewerbeinhaber nach einer weiteren Ausbildung ihres Nachwuchses, als selbe die gewerbliche Fortbildungsschule bei ihrer derzeitigen Organisation zu geben vermag. hat der Stadtrat von Aussig im Jahre1897 eine Denkschrift verfasst. in welcher die Bitte ausgesprochen wird, es möge von Staats wegen in Aussig eine höhere gewerbliche Lehranstalt errichtet werden. Die Denkschrift hatte den Stadtrat Herrn Zivilingenieur Karl Rehatschek zum Verfasser und trägt das Datum vom 22. August 1897. Eine Abschrift hiervon wurde dem Ministerialrate Herrn Franz Ritter v. Haymerle am 4. Oktober 1897 persönlich überreicht. | ||||||||||
| Nun folgten Verhandlungen mit der zuständigen Handelskammer in Reichenberg, die ihre Unterstützung in der für Aussig so wichtigen Angelegenheit zusicherte. Jedoch erst am 3. November 1899 konnte ein an das Ministerium für Kultus und Unterricht gerichtetes Gesuch um Errichtung einer Staats-Gewerbeschule in Aussig im Wege der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg abgehen, zu welchem Schritte der Gemeindeausschuss in seiner Sitzung vom 2. November 1899 die einhellige Zustimmung gab. | ||||||||||
| Bis zum November 1901 erfolgte kein Bescheid, weshalb der Stadtrat unterm 4. November 1901 eine neuerliche Bitte um Beschleunigung der Schlussfassung stellte. | ||||||||||
| Am 25. April 1902 traf der damalige Ministerialsekretär Rudolf Ritter v. Förster in Aussig ein, um sich im Auftrage des Ministeriums für Kultus und Unterricht persönlich von der Notwendigkeit der Errichtung einer Staats-Gewerbeschule in Aussig zu überzeugen. Seitens des Handelsministeriums erschien mit Ritter v. Förster der Ministerialsekretär Dr. Rudolf Schindler. Zu Beginn des Jahres 1903 tagte in Wien eine von Seiner Exzellenz dem Minister für Kultus und Unterricht, Dr. Wilhelm Ritter v. Hartel, einberufene Enquete, welche sich mit der weiteren Ausgestaltung der Staats-Gewerbeschulen zu befassen hatte. Hierbei wurde auch die Frage der Errichtung von Fachschulen für die Heranbildung von Hilfskräften für den Wasserstraßenbau aufgeworfen. Da Aussig für eine derartige Abteilung gewiss in Betracht kam, richtete der Stadtrat am 17. April 1903 an den Minister unter Hinweis darauf, dass Seine Exzellenz die Aussiger Verhältnisse genau kenne, die Bitte, bei Errichtung einer neuen Staats-Gewerbeschule Aussig als den hierfür geeignetsten Ort zu erklären. Gleichzeitig gab der Stadtrat die Erklärung ab, im Falle der Errichtung einer Staats-Gewerbeschule hinsichtlich des Bauplatzes und einer Beitragsleistung zu den Baukosten ein tunlichst weitgehendes Entgegenkommen zu betätigen. | ||||||||||
Am 25. Mai 1903 langte beim Stadtrate die Mitteilung ein, dass das Ministerium für Kultus und Unterricht mit dem Erlass vom 25. April 1903, Z. 8681. der Statthalterei eröffnet habe, dass es unter der Voraussetzung der Gewährung entsprechender Beitragsleistungen seitens der lokalen Faktoren geneigt sei, dem Gedanken der Errichtung. einer Staats-Gewerbeschule in Aussig näher zu treten. Schon in diesem Erlasse wurde bezüglich der Organisation aus gesprochen, dass die Schule eine Werkmeisterschule mechanisch-technischer Richtung mit einschlägigen Spezialkursen, eine fachliche Fortbildungsschule und einen Kurs für Bootsbau enthalten würde. |
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| Mit der Ausarbeitung eines Programms und der Lehrverfassung der zu gründenden Schule wurde der damalige Fachvorstand, Herr Professor Karl Schedlbauer betraut. | ||||||||||
| Die Stadt hat in der Sitzung des Gemeindeausschusses vom 27. Mai 1903 den Inhalt des Erlasses freudigst begrüßt und mit der weiteren Durchführung die Finanz- und Bautensektion betraut. | ||||||||||
| In der Sitzung der vereinigten Sektionen am 11. Juni 1903 wurde beschlossen, dem Stadtrate zu empfehlen, das Programm der Anstalt mit der Modifikation zu akzeptieren, dass neben der mechanisch-technischen Werkmeisterschule auch eine bautechnische Schule zu errichten und die Bootsbauschule richtiger Schiffbauschule zu nennen sei. Auch wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, für die Heranbildung von Hilfskräften für den Tiefbau und Wasserbau vorzusorgen. | ||||||||||
| Der Stadtrat schloss sich diesem Antrage an und richtete in diesem Sinne am 12. Juli 1903 an die Bezirkshauptmannschaft eine Eingabe, in welcher die Stadtgemeinde auch bemerkte, dass sie bereit sei, einen außerordentlich günstigen Bauplatz im Ausmaße von 7000 m2 (Wert ca. 240.000 K) und einen Baukostenbeitrag von 200.000 K zu widmen. | ||||||||||
| Am 6. November 1903 erhielt der Stadtrat in Aussig eine Zuschrift, des Inhaltes, dass Seine Exzellenz der Herr Minister die vorliegende Anerbietungen der Gemeinde Aussig nicht als hinreichend ansehen könne und nur auf Grund der im Erlasse der k. k. Statthalterei vom 22. Mai 1903, Z.92.401, gestellten Forderungen das Projekt weiter zu fördern in der Large sei. | ||||||||||
| Gegen die Entscheidung des Ministeriums ist nun der Stadtrat mit einer wohlbegründeten Eingabe vom 17. Dezember 1903 vorstellig geworden. Mit Erlass vom 4. Oktober 1904, Z. 8515, hat das Ministerium die von der Gemeinde gemachten Gegenvorschläge unter der Voraussetzung zur Kenntnis genommen, dass unter die so genannten sachlichen Erfordernisse auch der Aufwand für die Beheizung eingereiht werde. | ||||||||||
| An die Durchführung des Projektes wurde aber noch die weitere
Bedingung geknüpft, dass außer den angebotenen Leistungen auch die Beistellung der Einrichtung und maschinellen Ausstattung sowie die Verpflichtung zur Leistung eines jährlichen Beitrages zu den Schulerhaltungskosten von der Gemeinde übernommen werde. |
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| Die Stadtgemeinde hat über den Inhalt dieses Erlasses in der vertraulichen Sitzung des | ||||||||||
| Gemeindeausschusses vom 4. November 1904 verhandelt und sodann mit der Eingabe vom 8. November 1904 an das Ministerium die Bitte gerichtet, es möge die Lasten der maschinellen Einrichtung allein auf sich nehmen, während die Gemeinde alle anderen gestellten Bedingungen erfüllen wolle. | ||||||||||
| Mit dem Erlass vom 3. April 1905 hat das Ministerium die Bitte der Stadtgemeinde erfüllt und unter Voraussetzung der verfassungsmäßigen Bewilligung der Mittel die Errichtung einer k. k. Staats-Gewerbe- schule in Aussig beschlossen. Der von der Stadtgemeinde vorgelegte Vertragsentwurf wurde dementsprechend in mehreren Punkten abgeändert und schließlich mit dem Erlasse des Ministeriums vom 23. Oktober 1906 genehmigt. Hiernach war die Stadtgemeinde zur unentgeltlichen Beistellung des Bauplatzes, aller Baulichkeiten, der inneren Einrichtung und der sachlichen Erfordernisse verpflichtet, wogegen die Staatsverwaltung die Werkstätteneinrichtung und die Besoldung des Lehrer- und DienerpersonaIes sowie die laufenden Erfordernisse für den Unterrichtsbetrieb übernahm. | ||||||||||
| Am 25. September 1905 traf der Inspektor für das gewerbliche Bildungswesen, Fachvorstand Professor Heinrich Leobner, in Aussig ein, um sich die in Aussicht genommenen Bauplätze anzusehen und die industriellen Etablissements in Aussig zu besichtigen. Über diese Besuche und Verhandlungen wurde vom Direktor B. Titlbach dem Stadtrate Bericht erstattet. | ||||||||||
| Nun folgten die Verhandlungen bezüglich des Bauplatzes. | ||||||||||
| Nach längeren Verhandlungen wurde schließlich der Bauplatz für das Gebäude festgelegt und unter Zugrundelegung von Grundrissskizzen, die Regierungsrat Leobner zum Verfasser hatten, die Pläne entworfen und dem Ministerium für öffentliche Arbeiten, in dessen Wirkungskreis die gewerblichen Angelegenheiten mittlerweile übergegangen waren, zur Genehmigung unterbreitet. Die architektonische Ausgestaltung besorgte Zivilarchitekt Max Loos v. Losinfeldt in Teplitz. | ||||||||||
| Nach Genehmigung der Pläne wurde seitens des Stadtrates Baumeister Paul Sogl zum Bauleiter ernannt und Stadtrat Titlbach (Vorsitzender). Oberingenieur J. Christmann. Inspektor A. Jonasch und Oberingenieur Karl Götze (Sachverständige) zu Mitgliedern des Baukomitees gewählt. | ||||||||||
| Wie aus dem vorausstehenden geschichtlichen Überblicke zu entnehmen ist, war der Werdegang der neuen Schule mannigfachen Wandlungen im Laufe der Jahre unterworfen. | ||||||||||
| Die Errichtung näherte sich rasch ihrer Verwirklichung, als der Ausschuss der Aussiger Sparkasse am 4. Juni 1908 aus Anlass der 6ojährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. den Betrag von 500.000 K für den Bau einer Staats-Gewerbeschule stiftete. Nach mancherlei Vorschlägen fiel die Entscheidung über den Platz in der Sitzung des Gemeindeausschusses vom 26. April 1907, und zwar auf einen Teil jener Gründe, welche, der Stadtgemeinde Aussig gehörig, sich in der Nähe des Stadtparks und des Villenviertels gegen das Dorf Kleische erstrecken. Die Bedenken wegen der Nähe des nach dem Pavillonsystem gebauten städtischen Krankenhauses wurden durch den Beschluss zerstreut, letztere durch die Anlage eines Parkes im Krankenhause selbst und einer Allee längs der beide Anlagen trennenden Straße zu verdecken. | ||||||||||
| Nachdem in der Gemeindeausschuss-Sitzung vom 10. September 1908 der Bau nach den aufgelegten Plänen endgültig beschlossen worden war, wurde mit demselben am 26. Oktober 1908 begonnen. | ||||||||||
| Die neu zu erbauende Anstalt sollte in der Hauptsame drei Abteilungen umfassen, und zwar I. eine Werkmeisterschule maschinentechnischer Richtung mit den Hauptfächern Md1chinenbau und Elektrotechnik, 2. eine fachlich-gewerbliche Fortbildungschule für Lehrlinge der metallverarbeitenden Gewerbe und 3. eine Bootsbauabteilung. | ||||||||||
| Der Baufortschritt war ein derartiger, dass die neue Anstalt mit Beginn des Schuljahres 1910/11 eröffnet werden konnte. | ||||||||||
Taschenbuch der Staatsgewerbeschule in Aussig, zugesandt von Gerhard Pietsch, früher Kleische |
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