UNSERER ELBE EIN HERZLICH ERINNERN....

Dadurch angeregt gingen auch meine Gedanken zurück in jene Zeit, da wir die "alte" Elbebrücke frequentierten. Jawohl, ehedem mußte jeder den Brückenzoll entrichten, der von einem auf das andere Ufer wollte. Erwachsene zwei Kreuzer, Kinder einen Kreuzer, Fuhrwerke entsprechend mehr und der "alte Gabriel" in seinem Mauthäusl auf der Krammler Seite hatte oft seine liebe Not, wenn wieder einmal eines der Kinder "schwarz" hinüberwischte. Die gleichen Beträge galten wohl auch für die kleinen Überfährdampfer. Der da zwischen Krammel und "Fünf Bogen" verkehrte, trug den stolzen Namen "Adler". Im Sommer legte er auch an den Johannisbädern an, der älteren Schwimmschule Aussigs, und dann erst am Ufer von Krammel. Es war eine, von uns immer mit großem Interesse erlebte richtige Seefahrt, besonders, wenn das Schifflein in die Wellen geriet, welche die beiden "Elfuhrdampfer" der SBDG erzeugten. Punkt 11 Uhr legte der sogenannte Eildampfer nach Dresden ab, der hielt nicht an jeder beliebigen Anlegestelle. Der fuhr durch, ich glaube, er hielt nur in Großpriesen, dann Bodenbach-Tetschen und Herrnskretschen. Wie's dann "drüben" in Sachsen damit bestellt war, weiß ich nicht mehr, da wird er wohl nur an den besuchteren Ausflugsorten angelegt haben, wie Schandau, Rathen, Pirna usw. Es war eine feine Sache, nobel mit ihm zu reisen! Mittags wurde nach alter Sitte "table d'hote" gespeist, also "auf ganz fein". Der Kurs wurde stets von einem der modernen Oberdeckdampfer befahren. 
Ihm folgte dann zehn Minuten später der "gewöhnliche" Dampfer, der an jeder Landungsbrücke anhielt und freilich dann auch viel später, in den ersten Abendstunden, seine Fahrt an der Brühl'schen Terrasse beschloss.
Dampffähren gab es im engeren und weiteren Stadtbereich vier: die älteste bei den "Fünf Bogen" unterhalb des Marienberges, dann die zwischen Elbstraße und Franzensbädern. Älter war eine Dampffähre in Schönpriesen und schließlich kam nach dem ersten Weltkrieg noch so ein kleines Dampferchen in Wannow dazu.
Um nochmals auf den Brückenkreuzer zurück zu kommen. Mit der Zeit wurde er, berechtigterweise, vom Volk als recht rückständig und lästig empfunden, es gab Stimmen, die sich für die Abschaffung einsetzten und es kam sogar zu bedrohlichen Demonstrationen (man bedenke: in der "guten, alten Zeit", so was), Gendarmerie mußte eingesetzt werden und der diensthabende Konzeptsbeamte der K. k. Bezirkshauptmannschaft (er war in dieser ganz ungewohnten Situation wahrlich nicht zu beneiden) hatte alle Mühe, die kochende Volksseele der an den Brückenköpfen bedrohlich anwachsenden Menge zu beruhigen. Der Brückenkreuzer wurde alsbald abgeschafft, das Volk hatte gesiegt und die Mauthäusln auf beiden Ufern traten in den wohlverdienten Ruhestand. Vielleicht kann sich der eine oder andere der älteren Leser noch des genaueren Datums dieses Brückensturms entsinnen?
Zu dem von Grete David erwähnten große~ Hochwasser kann ich nähere Daten beisteuern. Dieses Hochwasser war im September 1890. Mein Vater erzählte gern, dass er seinen Hochzeitszug am 10. September von der Nonnengasse zur Stadtkirche beinahe im Kahn hätte antreten müssen. Das Wasser stand an diesem Tage direkt an der Einmündung der Nonnengasse in die Bielagasse!
Die Elbe war auch für unsere Wochenmärkte (jeweils Dienstag und Freitag) von Bedeutung. Da waren bereits am Vorabend die Dampfer ab Leitmeritz oft überfüllt mit Körben und Trageln, mit Kistln und Säcken, vollgepackt mit Kartoffeln, Gurken und Kohlrabi, mit Radiesln, Möhren und Kraut und was es sonst an reicher Ernte aus "Böhmens Hain und Flur", aus dem gesegneten Boden unseres böhmischen Paradieses gab. Da langte dann der immerhin ansehnliche Raum am Marktplatz nicht mehr aus. In der Salzgasse und der Langen Gasse häuften sich die Berge unter der hochsommerlichen Sonne. Wenn da zu Mittag der Markttag sein Ende hatte, dann konnte man für ganz billiges Geld etwa den feinsten Spargel, die schönsten, vollsaftigen Gurken erhandeln und was dann immer noch keinen Käufer gefunden hatte, blieb einfach liegen. Die Straßenkehrer hatten  zu leisten, um Platz
und Straßen wieder sauber zu bekommen.
Ja, das waren noch Zeiten, da brauchte es keiner Einfuhr aus Holland oder Italien oder sonst woher!            
"Aussiger Bote",  Juni 1971,
 

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