Die Besitzer von Kleische
Ausschnitte aus dem Heimatbuch 3. Teil, "Bilder aus der Geschichte
des Stadtteiles Kleische" von Eduard Wagner. Erschienen 1927
Die genaueren Besitzverhältnisse im 14. Jahrhundert sind noch im
unklaren.
Urkundlich gehörte Kleische den Johannitern. Ihr einst so großer
Besitz war auffallend rasch zusammengeschmolzen. Im Elbetal
unterhalb Aussigs gehörte ihnen kein Dorf mehr; der große Wald, den
ihnen König Wladislaw 1169 bestätigt hatte, war in anderen Händen;
auf Herbitz saß Heinrich von Mühlen, ein Lehensmann deren von
Kolditz auf Bilin und Graupen, und auf Kleische.
a) Anna von Kolditz.
Wann sie das Gut Kleische übernommen hat, ist nicht festzustellen.
Es ist nur eine Urkunde vorhanden, in der Heinrich von Neuhaus, der
Grandprior des Ordens, am 17. Juni 1418 nachträglich bekennt, dass
er der Anna von Kolditz die Dörfer Predlitz, Kleische u. a. auf
Lebenszeit für 265 Schock überlassen habe.
Die Familie Kolditz stammte aus dem benachbarten Meißen und nannte
sich nach der an der Zwickauer Mulde gelegenen Stadt Kolditz. Sie
war nach Graupen gekommen, hatte dort den Bergbau zu hoher Blüte und
sich zu großem Reichtum gebracht.
Timo der Erste war bereits im Jahre 1330 Herr der Lehensherrschaft
Graupen.
Timo der Zweite wurde am 17. März 1368 öffentlich mit dem
Meißnerischen Besitz (Stadt Kolditz und 52 Dörfer) belehnt. Zur
Herrschaft Graupen gehörten 1380 außer Graupen die in unserer Gegend
gelegenen Dörfer Karbitz, Türmitz, Dubitz, Ebersdorf, Schöbritz,
Herbitz. Einzelne waren als Afterlehen an Edelleute vergeben, die im
Dienste derer von Kolditz standen.
Anna von Kolditz, Witwe von Timo II. von Kolditz auf Graupen,
übte 1418 und 1423 noch das Besetzungsrecht an der Predlitzer
Pfarrkirche zu St. Laurenz aus, dann hören wir nichts mehr von ihr.
In den Wirren der Hussitenkriege, die Orte und
Herrschaftsverhältnisse zerstörten, wurde das Gut Kleische, das
gleich Aussig großen Schaden erlitt, herrenlos. Diesen Zeitpunkt
benütze
b) Johann von Wartenberg
auf Blankenstein, dessen Besitz an einen Teil des Gutes Kleische
grenzte, und bemächtigte sich seiner.
Er behielt es bis 1454. Am 7. Feber d. J. musste er dem Könige die
sieben Johanniterdörfer herausgeben, weil er deren rechtmäßigen
Besitz nicht nachweisen konnte. Aus der diesbezüglichen Urkunde
erfahren wir auch die Namen der 7 Dörfer genau; es waren Lewina
(Lieben), Rodysina (Gratschen), Kliše (Kleische), Předlice
(Predlitz), Uzezd (Böhmisch Neudörfel, Habrovice (Johnsdorf) und
Zbanov (Bohna).
C. Jahnel weist (Prag. Mitt. 1900, S. 58) besonders darauf hin, dass
nach der erwähnten Urkunde bloß vier von den sieben Dörfern Zins
zahlten - zu Galli 52 1/2 Schock Groschen, zu Ostern Eier, zu
Weihnachten Hühner. Drei zinsten nicht; sie waren wahrscheinlich im
Hussitenkrieg zerstört worden. E. Richter (Beiträge z. Heimatkunde
d.A.K.B. 1921, S. 20) ist der Ansicht, dass drei Dörfer, die ihrer
Zinspflicht nicht nachzukommen vermochten, Kleische, Predlitz und
Böhm.-Neudörfel waren, die in unmittelbarer Nähe des Schlachtfeldes
auf der Bihana lagen, niedergebrannt wurden und wohl für lange wüst
geblieben sind.
Es hat den Anschein, dass König Ladislaus, bzw. Georg von Podebrad
die den Wartenbergern entzogenen Güter nicht den rechtmäßigen
Besitzern, d. i. den Johannitern, zurückgegeben hat, sondern sie als
heimgefallenes königliches Lehen betrachtet und in Teilen weiter
vergab.
Hierbei kam das Rittergut Kleische mit Lieben und Gratschen an
Bernhard Glatz von Althof, aber jedenfalls nur als persönliches
Lehen, das nach dem Tode des Inhabers wieder an den König
zurückfiel.
Tatsächlich sind 20 Jahre nach Bernhards Tode die 7 Dörfer wiederum
als königliches Lehen im Besitze der Johanniter. Sie beeilten sich,
den ihnen von König Ferdinand zurückgegeben Besitz schnell in
klingende Münze umzusetzen und verkauften ihn. Über diesen Verkauf
ist eine Urkunde vorhanden. Sie wurde am 10. Oktober 1547 in die
Landtafel eingelegt. Wir entnehmen ihr: Der Grandprior und der
Konvent der Mutter Gottes auf der Kleinseite bei der Brücke
verkaufen mit Bewilligung König Ferdinands ihr Lehensgut, die Dörfer
Przedlicze, Klysse, Hawrowiecze, ?aniow, Augezdecz, Hradessin, Lowni
mit dem Teil des Berges, der Barek heißt, mit dem Flusse bei
Predlitz, der Mühle in Predlitz und der unter Bokau, welche die
Markowische heißt, mit dem Patronat von St. Laurenz (bei Herbitz)
dem
c) Jarosch Kölbel von Geysing
und seine Erben für 1750 Schock Groschen. König Ferdinand entließ
das Gut aus der Lehenspflicht und machte es zu einem freierblichen.
Damit war der letzte Rest des ehemals so ausgedehnten
Johanniterbesitzes in der Umgebung Aussigs aus den Händen des Ordens
gekommen. Wie es nun zugegangen ist, dass Kleische neuerdings im
Besitze der Familie Glatz von Althof erscheint, konnte bisher nicht
festgestellt werden. Jahnel berichtet den auffallenden Umstand, dass
die Eintragungen in den Aussiger Stadtbüchern von 1550-1565 den
Johann Glatz nicht als Besitzer des Gutes "auf Kleische", sondern
nur als "in Kleische" wohnhaft bezeichnen, während doch sein Sohn
Adam erklärt, er habe das Gut von seinem Vater ererbt und auch am 9.
April 1565 als "auf Kleische" sitzend bezeichnet wird.
Vielleicht hat auch Johann das Gut direkt für seien Sohn erworben.
Übrigens muss Kleische ein Teildorf gewesen sein, denn Otto Kölbel
auf Kulm besaß dort, zur Lebenszeit des Adam Glatz, bereits in den
Jahren 1572 und 1574 Untertanen.
(Im Stadtbuch II, S. 184, ist unter dem 29. Oktober 1572
eingetragen: Eine Anzahl von Personen von Aussig, Bensen, Sandau i.
a. O. bekennen, dass ihnen Otto von Kölbel als Erbherr Ihres
verstorbenen Vetters und Ohms Gregor Hoch "zu Kleisch" auf Fürbitte
aus dessen Nachlass 50 kleine Schock ausgezahlt hat. - In dem
Vertragbuche 9 ist zu finden: 1574, 8. Oktober, Nicol Diele zu
Kleische erscheint auf Nachlassung und im Beisein Kölbels in Aussig
vor Gericht.)d) Die Glatz von
Althof
waren die einzigen Besitzer Kleisches, die im Orte selbst wohnten;
deshalb soll diese Familie etwas eingehender betrachtet werden.
Woher sie stammte, ist nicht nachweisbar. Es sind darüber wohl
mancherlei Ansichten ausgesprochen worden, doch reichen sie nicht
über das Gebiet der Vermutungen hinaus. Zu Anfang des 15.
Jahrhunderts finden wir die Glatz in Graupen ansässig, wo sie sich
an dem Wiederaufbau der 1429 von den Hussiten zerstörten Stadt in
hervorragender Weise beteiligten.
Der Vertreter der Familie war zu jener Zeit Hans Glatz, der in dem
ältesten der vorhandenen Stadtbücher von Graupen oftmals genannt
wird. Er muss ein tüchtiger Hauswirt und ein kluger Geschäftsmann
gewesen sein, dem die allgemeine Not der Zeit nichts angetan hat; er
erwarb wichtige Berggerechtigkeiten, kam zu Reichtum, machte sich
von zeitweiligen Schulden rasch wieder frei und vermochte sich
selbst, aber auch anderen zu helfen.
Wir finden ihn bald als Zeugen, bald als Schiedsrichter, bald als
Vormund, bald als Schöppen der städtische Gerichtsbank.
In seinem Testamente, das 1444 in das Stadtbuch von Graupen
eingetragen wurde, stiftete er ein "ewig Seelengerät", d. i. eine
Seelenmesse, alljährlich zu lesen in der Pfarrkirche zu Graupen und
setzte dafür ein Seifenwerk (Erzwerk) unterhalb der Stadt zum Pfand.
Dem Spittal in Graupen überwies er die gewiss bedeutende Summe von
100 Schock Groschen gleichfalls zu einer Seelenmesse.
Zu seinem Besitzstande gehörten Mühlen und Hütten oberhalb und
unterhalb Graupens, wie auch an der Müglitz dem kleinen Wasser, das
vom Ebersdorf nach Sachsen fließt, woran die Graupner ihre Pochwerke
und Schmelzhütten hatten. Als da, wo heute Altenberg steht, neue
Zinnlager entdeckt wurden und der Bergbau großen Umfang gewann,
beteiligte sich Hans Glatz neben anderen Graubner Familien eifrig an
der Gründung des neuen Ortes; denn zu seinem Besitztum gehören nun
auch "etliche Teile, Hütten und Mühlen auf dem Altenberg".
Von besonderer Bedeutung für den Namen des Geschlechts wurde die
Erwerbung jenes Vorwerkes, das auf dem Wege von Graupen nach
Mariaschein auf der "Blöße" lag und der "Alte Hof" oder "Althof"
genannt wurde. Es war eine kleine Burg, die zur Befestigung gehörte
und im Jahre 1429 den Hussiten zum Opfer fiel. Einige Jahre später
ist der Althof im Besitze des Martin Hengst aus Graupen, der ihn von
dem Herrn Graupens, Albrecht von Kolbitz, gegen einen jährlichen
Grundzins erworben und einigermaßen wieder aufgebaut hat.
Als der alte Martin Hengst gestorben war, kam der Hof an dessen
Söhne Lorenz und Peter; diese traten ihn an Hans Glatz ab. Im
Stadtbuche (I, S. 585) ist unter dem 24. Juli 1452 eingetragen, dass
Hans Glatz die beiden Brüder zur Gänze bezahlt hat.
Aus dem Mitgeteilten können wir ersehen, dass das Leben des Herrn
Hans Glatz gesegnet war, wenngleich manchmal auch schlimme Zeiten
mit den guten wechselten. Er hatte 5 Kinder.
Die erst Frau, deren Name bisher nicht zu ermitteln war, schenkte
ihm einen Sohn, Georg, und zwei Töchter, Apollonia und Elsa; die
zweite Frau, Katharina, gebar ihm die Söhne Hans und Lorenz. Der
alte Glatz, starb im Jahre 1450. - Am 13. August des genannten
Jahres erschien die Witwe Katharina und verglich sich vor der
"gehegten Dingbank" mit dem Stiefsohne Georg und ordnete das
Besitzverhältnis der anderen vier noch unmündigen Kinder. Georg
Glatz trennte sich von der Familie, wohnte allein in einem Hause
neben der Pfarrei, förderte fleißig Zinn in seinen Bergteilen,
bestellte mit Vorliebe seinen Garten, saß im Schöppenstuhle der
alten Bergstadt und machte sich seinen Nachbarn als Pate, Bürge,
Zeuge, Vormund u.s.w., nützlich. Er hinterließ keine Nachkommen.
Katharina, die Witwe blieb und weiterhin kurz die "alte Glatzin"
genannt wurde, bewohnte den Althof und erzog ihre Kinder in der
Furcht des Herrn.
Die älteste Apollonia, heiratete später den Herrn Buschek von
Sullowitz, die jüngere Else, vermählte sich mit Siegmund Burgsdorf;
der Erste war in Böhmen, der Zweite in Sachsen begütert. Beide
Verbindungen brachten Unfrieden in die Familie Glatz. Im Jahre 1468
erscheint der Sohn Hans großjährig. Einige Zeit danach erhielt die
Familie eine besondere Auszeichnung. Auf dem Reichstage in
Regensburg - 1471 - fertigte Kaiser Friedrich III. für die Brüder
Georg, Hans und Lorenz Glatz und der ehelichen Leibeserben einen
Wappenbrief aus, mit dem die Genannten in den erblichen Adelsstand
erhoben wurden. Sie erscheinen von da an mit dem Zusatze "von
Althof" und zeigen sich als wohlachtbare Mitglieder des
reichsdeutschen niederen Adels.
Das Wappen (Hof- und Staats-Archiv
Wien de annis 1471-73) selbst, das der kaiserliche Brief ausführlich
beschreibt, ist außerordentlich merkwürdig: Auf einem weißen Schilde
befindet sich ein grün-gelbes, bärtiges Gesicht mit geschlossenen
Augen, um die Stirn eine weiße fliegende Binde; an jeder Seite von
den Ohren auf je ein rot ausgetaner Flug. Der Helm ist mit einer
roten und weißen Helmdecke geziert, aus ihr entspringt ein
gelb-behartes Brustbild in Weiß gekleidet, mit grünem Angesicht,
fliegenden Binden und Flugen. Es ist sehr zu bedauern, dass alle
näheren Angaben über die Ursachen der Standeserhöhung, wie über die
Bedeutung des Wappens abhanden gekommen sind. Die weiße Binde und
das grün-gelbe Gesicht lassen die Vermutung zu, dass sich ein Vorfahr
der Glatz in den Türkenkriegen besondere Verdienste erworben hat.
Das Wappen ist auf der Grabplatte des Bernhard Glatz an der
Außenseite der Stadtkirche erhalten.
Als Lorenz, der jüngste Spross der Familie, mündig geworden war,
schloss er mit seinem älteren Bruder Hans am 29. Juli 1474 einen
Vertrag, nach welchem sich beide gegenseitig ihr Hab und Gut
verschrieben für den Fall, dass einer oder der andere sterben
sollte; Frau Katherina, deren Besitz bisher mit dem der Söhne
vereinigt war, erhielt ihren Teil in eigener Verwaltung, die Töchter
hatten ihre Mitgift erhalten, somit schienen die Verhältnisse auf
beste geordnet. Trotzdem kam es in der Folge zu allerlei langen
Streitigkeiten.
Georg Glatz, nunmehr von Althof,
hatte mit seinem Nachbar, dem Stadtpfarrer, wegen verschiedener
Bauveränderungen mancherlei böse Auftritte; schließlich verkaufte er
das Haus, ein paar Monate vor dem großen Stadtbrande vom 11.
September 1479, baute sich ein neues, verkaufte es 1485 ebenfalls,
ging dann auf eine Romfahrt, kehrte wohlbehalten zurück, saß 1487
noch einmal im Graupner Ratsstuhle, muss aber bald danach gestorben
sein, weil sein Name nicht mehr genannt erscheint. In dem Testamente
vom Jahre 1485 setzte er seine einzige Tochter namens Rosa zur Erbin
des Vermögens ein.
Apollonia, die Schwester Georgs,
starb frühzeitig und ihr Anteil an dem Glatzischen Vermögen überging
an ihren Mann Buschek von Sullowitz und dessen Bruder und Vetter.
Diese hatten aber für den Bergbau kein Verständnis und beeilten
sich, den Besitz zu veräußern. Dagegen erhoben die anderen
Mitglieder der Familie Glatz selbstverständlich Einspruch; es kam zu
Streitigkeiten, die erst 1483 ihren Abschluss gefunden haben.
Elsa, die zweite Schwester Georgs, verlor ihren Mann Sigmund
Burgsdorf bereits 1472, verheiratete sich zwei Jahre später mit
Siegmund Küchenmeister, schenkte ihm einen Sohn Johann und schied
1480 aus dem Leben. Auch dieser Zweig der Familie spielte keine
Rolle mehr.
Hans und Lorenz Glatz von Althof teilten 1483 die elterlichen
Güter innerhalb des Graupner Gerichtes so, dass jeder die Hälfte vom
Althofe und die Hälfte von den Bergwerken als sein Eigentum
gebrauchen sollte; dann suchte jeder für sich sein Glück, was auch
bald erreicht war.
Die Erträgnisse der Zinnwerke müssen sehr bedeutend gewesen sein,
denn schon anfangs 1485 ist Lorenz Herr auf Rothenhaus im Erzgebirge
und Hans ist 1487 an Lehensträger der Burg Schreckenstein samt
Zubehör. Er vermählte sich mit Katharina von Mühlen (Melyn), der
Tochter eines der Teilbesitzer von Türmitz.
Auch Lorenz war verheiratet, doch lässt sich der Name seiner Gattin
nicht mit Sicherheit feststellen. Hans, soll weiterhin als Hans II.
bezeichnet werden, erwarb am 5. Feber 1499 das Haus (Nr. 103) des
Nickel Meißner am Ring in Aussig, an der Ecke der Kirchengasse
gelegen, und ließ es für den Fall seines Todes seiner Frau Katherina
verschreiben. (Urkundlich der Stadt Aussig Nr. 354, S. 167.)
Tatsächlich blieb dieses Haus bis 1622 im Besitze der Familie Glatz
von Althof und ihren Erben der Kölbel von Geysing.
Im Jahre 1490 finden sich die Brüder Hans
II. und Lorenz in Aussig ein und zwar als Zeugen in einem
Sühnevergleich vor dem Aussiger Gerichte. Hänsel Richter, des Hans
Diener, hatte einen Mann aus Dux namens Andreas Hanzmann erschlagen.
Nach dem Sühnevertrage musste Hänsel Richter 5 Schock
Schwertgroschen zahlen - wofür Hans Glatz die Bürgschaft übernahm -
Seelenmesse lesen und ein Steinkreuz vor dem Teplitzer Tote setzen
lassen. (Urkundenbuch Aussig Nr. 324, S. 153.) Außer dem Hause
erwarb Hans II. noch andern Besitz in Aussig.
1501 wurde ihm der Besitz der Bielamühle,
die er um 300 Schock vom Bäcker Benesch gekauft hatte, verbüchert.
Im Kaufvertrage wird er noch als Herr "von Schreckenstein" benannt.
1505 erscheint Hans II. als Bürge für zwei Aussiger, da heißt er
aber bloß "von Althof", der Schreckenstein war um diese Zeit
wahrscheinlich schon im Besitze eines anderen.
1506 vergleicht er sich mit seinem Sohne
Albrecht und dessen Frau Marianne in einem Vertrage, nach welchen er
beiden Anteile an der Bielamühle zusichert. (Aussiger Stadtbuch I.,
211.)
1510 wird bei einer Gerichtsverhandlung ein
Zeuge angeführt: Heinrich, ein Schäfer des Hans Glatz; daraus läßt
sich entnehmen, dass Hans II. Landwirtschaft betrieben hat.
Das letzte Schriftstück, das den Namen Hans
II. trägt, ist eine Vollmacht für seinen Bruder Lorenz vom 7. Jänner
1512. Im selben Jahre ist er verstorben. Außer dem bereits genannten
Sohne Albrecht hinterließ er noch einen Sohn namens Bernhard.
Diese beiden bilden die neue
Geschlechtsfolge derer von Althof, denn Lorenz von Althof, der
seinen älteren Bruder Hans II. überlebte, hatte bloß eine Tochter
Anna, welche er in dem Testamente vom Jahre 1516 zur Erbin von
Rothenhaus einsetzte. Durch sie kam dieser Besitz dann an die Herren
von Weitmühl. Von ihm wird lobend berichtet, dass er den Bürgern von
Görkau das Ausschenken von Weißbier bewilligte, sie von der
Verpflichtung des Heuhebens und Getreideschneidens befreite, die
Bewilligung eines Jahrmarktes vermittelte und schließlich die
Erlaubnis zur Befestigung der Stadt herbeiführte. (Bernau,
Rothenhaus. Erzgeb. Ztg. 1891.)
Zur Zeit der Brüder Albrecht und Bernhard
war die Familie Glatz noch immer im Aufstiege.
Wenn auch die beiden wertvollen Besitzungen
Schreckenstein und Rothenhaus in andere Hände gekommen waren, so
dürfen wir keinesfalls an eine
Verarmung der Familie denken, weil sie schon 1522 ein noch
bedeutenderes Gebiet erwarb, die Herrschaft Geiersberg. Der neues
Besitzer, Bernhard Glatz von Althof auf Geiersberg, zog sich aus
Graupen mehr und mehr zurück. Er scheint an dem Bergbau keine
besondere Freude gefunden zu Haben, denn er verkaufte einen Teil des
Graupener Besitzes um den anderen. Dafür erwarb er ein Rittergut in
der Nähe Aussigs, Kleische mit dem Dörfern Lieben und Gratschen dann
ein Haus in Rosental bei Graupen, das er für den Fall seines Todes
seiner Frau Anna von Sullowitz verschrieb. Aus seinem Leben ist
nichts Näheres bekannt geworden er verschied schon 1524 und
hinterließ vier Kinder Magdalena, Burghard, Hans und Siegmund. Sein
Grabstein in Aussig gibt als Sterbezeit das Jahr 1542 an, doch es
muss hier irrtümlich Versetzung der beiden letzten Ziffern
vorliegen, denn nach dem Stadtbuche von Graupen (I. S. 412) war er
1525 bestimmt schon tot. |
| 1803 |
wurde Kaplan Michael Ferdinand Illing Dechant in
Aussig |
| 1803 |
fand man auf den Grundstücken von Josef Ritschel und
Josef Alter in dem benachbarten Predlitz Braunkohlen. |
| 1803 |
brachte wiederum eine böse Teuerung. Die Landesregierung
musste, um die Bewohner vor Ausbeutung zu schützen, den
Getreidepreis festsetzen. |
| 1806 |
lies Wenzel Petschenke an dem Wege nach Aussig ein
steinernes Kreuz errichten. |
| 1810 |
verstarb Kaplan Michael Ferdinand Illing in Aussig |
| 1813 |
wurde Kleische von den Franzosen mit Plünderungen
heimgesucht, wobei der Meierhof in Flammen aufging |
| 1815 |
begann man mit dem Baue der sogenannten Kaiserstraße von
Aussig nach Arbesau und legte sie im Kleischbachtale, also
über Kleische Gewerbegebiet nach Bokau, Schöbritz u. s. w.
an |
| 1826 |
ließ die Herrschaft die Straße von der
Patzenschenke nach Kleische anlegen. |
| 1827 |
wurden in Predlitz neue Kohlenflöße aufgefunden. |
| 1830 |
am 25. Mai und in der Nacht vom 18. zum 19. Dezember
|
| 1833 |
wüteten in der Gegend fürchterliche Stürme, durch die an
den Häusern und in den Wäldern viel Schaden geschah. |
| 1834 |
wurde der herrschaftliche Meierhof an List verpachtet. -
Das Jahr war sehr warm und trocken; es gab wenig Obst und
wenig Futter. Dafür gedieh der Wein gut. Da trat plötzlich
eine Menge Raupen auf, die waren von der
"Waldstroh-Nachteule" und schädigten das Erträgnis. |
| 1835 |
ließ Graf Josef von Westphalen, der Besitzer Kleisches,
an der Kunststraße nach Arbesau, dort wo der Kleischer Weg
einmündet, eine Ziegelei erbauen. Das dazu benötigte Wasser
entnahm er dem Kleischbach durch einen neuangelegten Kanal.
Die Aussiger sahen sich durch die Verminderung des Wassers
in ihrer eigenen Wasserleitung geschädigt und erhoben
Einspruch dagegen. Sie richteten aber nichts aus, weil der
Plan des Herrschaftsbesitzers "hochortig" bestätigt wurde. |
| 1836 |
Der sehr trockene Sommer des Jahres 1835 und der sehr
strenge Winter verursachten im Jänner und Feber 1836 eine
große Mahlnot. Die Leute mussten ihr Getreide auswärts - bis
in Tetschen - mahlen lassen. Die Kälte dauerte bis in den
Mai hinein, dass Obst- und Weinblüten erfroren. |
| |
In den 40er Jahren verbreitete sich auch im Kleischer
Gebiete der Anbau des Luzerner Klees; die
Dreifelderwirtschaft hörte nach und nach auf. |
| 1848/49 |
wurde das Untertan-Verhältnis aufgehoben, Kleische wurde
eine freie, selbstständig verwaltete Gemeinde. |
| 1850 |
wurde der erste aus 8 Personen bestehende
Gemeindeausschuss gewählt, aus dessen Mitte Herr Anton
Schmidt aus Nr. 3 als erster Gemeindevorsteher hervorging.
Im selbe Jahre lagen Teile des 35. Infanterei-Regiments (Keverhüller)
und Feldjäger als Grenzschutz in Kleische. |
| 1857 |
wurde die chemische Fabrik des Österreichischen Vereins
für chem. und met. Produktion an der Gemeindegrenze
errichtet. |
| 1858 |
brannte infolge eines Wetterschlages die Wirtschaft Nr.
5 ab. - Der Anbau der Zuckerrüben wurde eingeführt und bald
auf das Eifrigste betrieben. |
| 1859 |
nahm der einst so bedeutende Weinbau in Kleische ein
Ende. Die Weingärten hatten sehr gute Lagen, teils am Abhang
des Kleischer Berges, teils an der Holomirsche. Wie
verbreitet der Weinbau war, geht auch daraus hervor, dass im
1. Grundbuche nicht weniger als 39 Käufe, bzw. Verkäufe von
Weingärten eingetragen sind. Die Weinbauern hatten das
Recht, den erzeugten Wein selbst auszuschenken. Sie einigten
sich dahin, dass einer für alle dieses Geschäft besorge, das
in der Hauptsache als "Mostausschank" von der Weinlese an
bis zu Neujahr ausgeübt wurde. |
| 1861 |
vorgenommenen Gemeindewahl wurde Franz
Melzer aus Nr. 16 Vorsteher und blieb bis 1867. |
| 1865 |
brannten die Wirtschaften Nr. 27 und 29 ab. |
| 1866 |
lagerten Teile des 36. Inf.-Reg. (Würtemberg) in
Kleische. Später gab es Durchmärsche des preußischen
Militärs. Die Entschädigungen für die geleisteten
Lieferungen wurden zur Herrichtung der Kapelle verwendet. |
| |
Von 1867 - 1873 bekleidete Franz Wunsch aus Nr. 18 das
Amt des Vorstehers. |
| 1868 |
zerstörte ein Sturm die Scheuer von Nr. 8. |
| 1870 |
wurde die Camphor-Fabrik Buschbek errichtet. |
| 1872 |
brannte die Wirtschaft Nr. 2 ab, im Jahre |
| 1873 |
ging die Wirtschaft Nr. 1 in Flammen auf, wobei der
Besitzer Vinzenz Schmidt verbrannte und auch die benachbarte
Scheuer von Nr. 3 vernichtet wurde. |
| 1873 |
begann der Bau der Glasfabrik. In den folgenden Jahren
wurde eine größere Anzahl neuer Fabrikanlagen geschaffen.
Siehe Aussig I u. II |
| 1873 |
trat Anton Haftstein Aus Nr. 4 das Amt des
Vorstehers an und behielt es bis |
| 1876 |
dann wurde Anton Grohmann aus Nr. 2 gewählt. |
| 1880 |
wurde Kleische in den Aussiger Postbestellbezirk
einbezogen. Der Briefkasten erhielt an dem Hause Nr. 2
seinen Platz |
| 1882 |
übernahm Josef Wunsch das Vorsteheramt. |
| 1884 |
erfolgte der Ausbau der Straße nach Aussig. Die
Wirtschaft Nr. 13 und die Scheuer von Nr. 14 fielen einem
Brande zum Opfer. |
| 1885 |
erfolgte die Wahl des Josef Schmidt Nr. 21 zu Vorsteher.
- Der Weg gegen Predlitz wurde ausgebaut. - Die
Bautätigkeit nahm zu; in den folgenden Jahren wurden viele
Neubauten im Kleischbachtale, in der Flur gegen Prödlitz und
an anderen Orten errichtet. Die Ortsteile wurden auch
daraufhin mit Namen bezeichnet, z. B. Aussiger Straße,
Pockauer Straße, Mühlstraße. |
| 1888 |
überging die Würde des Vorstehers an Wenzel Mattausch
Nr. 20. |
| 1889 |
wurde zur Gewinnung des benötigten Trinkwassern bei der
Kapelle ein Brunnen angelegt. Im selben Jahre kaufte die
Stadtgemeinde Aussig von A. Haftstein (Nr. 4) 12 Joch
Grundstücke um 17.000 fl. zur Anlage eines neuen Friedhofes.
Der Plan der Stadt konnte nicht zur Ausführung gebracht
werden. Dafür erwarb Aussig im folgenden Jahre, |
| 1890 |
von Amalia Schwarz, geb. Walke, die ganze Wirtschaft Nr.
5 um 20.000 fl. Die Gebäude verkaufte sie an den
Meierhofsbesitzer Graf von Westphalen; von den Grundstücken
benützte sie die auf dem Schäferberg gelegenen zur
Errichtung des Kommunalfriedhofes, der der im Jahre |
| 1892 |
vollendet und der Benützung übergeben wurde. Er dient
auch für die Kleischer als Beerdigungsstätte. Die Gemeinde
Kleische übernahm für die neue Anlage keinerlei
Verantwortung. Aussig hatte die Polizeiaufsicht im
Friedhofsgebiet selbst zu besorgen und die Zufahrtsstraße
herzustellen. Die auf dem Friedhofe erbauten Häuser wurden
zu Aussig nummeriert . |
| 1890 |
erwarb der Graf von Westphalen die Wirtschaft Nr. 14,
verkaufte sie aber 1898 mit dem Meierhof an die Stadt
Aussig. |
| |
Diese errichtete 1903 auf den günstig gelegenen Feldern
die Stadtgärtnerei, die sich anfangs mit der Blumen- und
Baumzucht beschäftigte, dann aber, 1908, die Obstanlage am
Kleischer Berg und in der Prödlitzer Flur schuf. Während der
Kriegszeit, 1916, kam der Gemüsebau in Aufnahme, der bis
1921 im großen betrieben, dann aber infolge der besseren
Verhältnisse, wie auch der schwierigen Wasserbeschaffung
wegen wieder aufgelassen wurde. Bis zum Jahe |
| 1891 |
fand die Gemeindewahl in der Weise statt, dass von
einem Wahlkörper 8 Ausschussmitglieder gewählt wurden. Bei
der am |
|
17.2.1892 |
vorgenommenen Wahl wurden von 3 Wahlkörpern 12
Ausschussmitglieder gewählt; die Zahl ging an Josef Wunsch
als Vorsteher hervor, der das Amt aber nur bis gegen Ende
desselben Jahres bekleidete, worauf ihm von |
|
1892-1895 |
Anton Haftstein (Nr. 4) folgte. Das Jahr 1892 brachte
eine Missernte; die Futterpreise stiegen sehr hoch, die
Viehpreise sanken derart, dass man für 20 - 30 fl. eine Kuh
kaufen konnte. - Durch Strohschoberbrände wurde der Ort
bedroht. Auch das Jahr |
| 1893 |
zeigte eine geringe Ernte. Unter dem Vieh brachen
Krankheiten aus. Der Viehbestand des Meierhofes wurde für
verseucht erklärt und verfiel nach den gesetzlichen
Bestimmungen der Abschlachtung. Der im Jahr |
| 1893 |
durchgeführte Bau des Aussiger Krankenhauses auf
Kleischer Gemeindegrund verwickelte die Gemeinde in
einen Rechtstreit mit Aussig, weil dieses die Grundstücke
von Kleische ausgemeinden und zu Aussig schlagen wollte.
Dadurch hätte Kleische an Steuern und Gemeindeumlagen
verloren. |
| 1895 |
wurde Heinrich Kügler (Nr.19) zum Vorsteher berufen. Er
richtete sein Augenmerk auf die Gründung einer Feuerwehr. Es
gelang ihm, die Bevölkerung dafür zu interessieren und hatte
in kurzer Zeit 36 Mann gewonnen. Als Gründer erschienen
außer Heinrich Kügler, Josef Pech, Karl Fiedler, Eduard
Fügner, Josef Jackel, Hermann Jeschke, Josef Jeschke, Franz
Grohmann, Franz Fischer, Franz Martin, Karl Czerweny,
Heinrich Kratkey, Hermann Flemmich, Anton Hübel, Josef
Schmidt, Franz Schmidt, Anton Schröder, Ferdinand Schneider
und Franz Hoffmann. Im Feber |
| 1896 |
wurde die um 420 Gulden angeschaffte Spritze
übernommen, die schon am 1. Juli bei dem Brande der Häuser
Nr. 11, 12 und 15 in Tätigkeit gesetzt wurden. Kommandant
der Feuerwehr wurde Hermann Kügler, der sein Amt bis zu
seinem Tode (11. Feber1925) versah. Die Wehr ernannte den
Grafen von Westphalen, den Bürgermeister Dr. Franz Ohnsorg
und den Stadtrat Robert Ostermann zu Ehrenmitgliedern.
Heinrich Kügler war der letze in der Reihe der Vorsteher und
hatte die umfangreichen Verhandlungen betreffs des
Zusammenschlusses von Aussig und Kleische zu führen.
Kleische hatte damals eine Steuerkraft von 4800 Gulden. |
| 1896 |
wurde der Bau des Gemeindehauses vollendet. Das alte
Gemeindehaus war 1812 um 140 Gulden verkauft worden. Schon
von 1848 an sammelten die Bewohner Geld für ein neues
Gemeindehaus. 1895 war der Bausfond hauptsächlich infolge
der Getränkeumlage auf annähernd 4000 Gulden angewachsen.
Leider war keine Einigkeit über den Platz zu erzielen, bis
endlich der Vorsteher Heinrich Kügler eine Stelle an dem
Wege zum Kleischbachtale - der heutigen Westphalenstraße -
fand, an der fast alle Bewohner vorüber zu gehen hatten.
Dort wurde denn auch der Bau 1895 in Angriff genommen; der
Herrschaftsbesitzer, Graf Westphalen, versprach, den Grund
und das Bauholz zu schenken. Dieses günstige Versprechen
gingen die Kleischer aber verlustig. In der Sitzung wurde
der Graf durch unüberlegte Äußerungen eines
Gemeindevertreters derartig beleidigt, dass er seine
Zusicherungen rückgängig machte. Die Kleischer mussten den
Grund bezahlen und Holz bekamen sie auch keins. - Von dem
sogenannten Melzerbrunnen wurde der Schwenkenstraße das
Wasser zugeführt. Der Anschluss wurde vorbereitet durch den |
| 1898 |
vollzogenen Ankauf des Meierhofes seitens der Stadt
Aussig, die für den Preis von 825.000 Kronen einen
Grundbesitz von 147 Hektar erwarb und dadurch in die Lage
versetzt wurde, der lebhaften Bautätigkeit auch Baugründe
zur Verfügung zu stellen. Die westlich des Schäferberges
gelegenen, schon längst von der Industrie besetzten Gebiete
erhielten durch die Industriebahn nicht nur den Anschluss an
die A.T.-Eisenbahn und das Kohlegebiet, sondern auch die
Verbindung mit dem Weltverkehrslinien im Elbetale. In den
folgenden Jahren entstanden denn auch hier viele
Fabrikanlagen, denen günstiges Bauland, Leuchtgas und
elektrische Energie, Wasserleitung und Kanalisation,
Eisenbahn und Straßenbahn zu Gebote stehen.
Auch für die private Bautätigkeit waren günstige Bedingungen
geschaffen worden. Es entstand kurze Zeit darauf die Kottage-Anlage,
später die Straßenzüge neben dem Stadtpark und in letzter
Zeit die großen Siedlungen am Fuße des Kleischer >Berges,
die zur Zeit noch in weiterer Entwicklung stehen. Unter
solchen Verhältnissen musste der Zusammenschluss der
Gemeinden zur Notwendigkeit werden, er vollzog sich |
| 1899 |
und seitdem gehört Kleische unter der Bezeichnung
"Stadtteil Kleische" der Gemeinde Aussig an und teilt deren
Schicksal. |
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