| Heimatfreunde Aussig | |||||
| Home | |||||
|
BdV-Kreisverband Lauterbach unternahm 4 Tages-Reise nach Nordböhmen und
Dresden Lauterbach: Die 5-stündige Anfahrt zum Quartier in ein schönes 4 –Sterne Hotel in Aussig a. d. Elbe gestaltete sich sehr kurzweilig, weil nach der Hälfte erst einmal ein deftiges „oberhessisches Frühstück“ eingenommen wurde. Reiseleiter Siegbert Ortmann hatte dafür extra 10 Kilo Wurst und 5-Laib Bauernbrote aus dem Vogelsberg mitgebracht und an der Autobahnraststätte „Teufelstal- Süd“ in Thüringen den 47 Reiseteilnehmern die Vesper mit reichlich Kaffee und Schnaps von fleißigen Helferinnen der Gruppe servieren lassen. Am Zielort startete nach kurzer Erfrischungspause im Hotel die Stadtbesichtigung mit Besuch der „Ferdinandshöhe“, einem über der Stadt gelegenen Ausflugslokal, von dessen Terrasse ein wunderschöner Panoramablick über Aussig und die Elbe genossen werden konnte. Anschließend suchte die gesamte Reisegruppe die Benešbrücke auf, um an der dort befindlichen Gedenktafel für die Opfer des Massakers vom 31. Juli 1945 ein Blumengebinde mit Schleife anzubringen. BdV-Kreisvorsitzender Ortmann erinnerte in einer kurzen Rede an die nach Kriegsende dort passierten schrecklichen Gewaltexzesse und die zahlreichen Toden, überwiegend deutsche Frauen und Kinder, die im Fluss ertränkt worden sind.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen
einer Rundfahrt durch das böhmische Mittelgebirge. Erste Station war die
historische Kur-Stadt Teplitz-Schönau. Hier trafen schon 1812 Beethoven
und Johann Wolfgang von Goethe zusammen und in den napoleonischen
Kriegen war diese Stadt 1813 das Hauptquartier der drei alliierten
Monarchen von Österreich, Russland und
Preußen. Nach der Besichtigung weiterer urbanen Sehenswürdigkeiten und
der Kurparkanlagen ging die Fahrt
am markanten Kegelberg „Milleschauer“ ( 837 m) vorbei
durch den „ Garten Böhmens“,
bekannt durch die ausgedehnten Obst- und Gemüseanlagen,
in die alte Bischofsstadt Leitmeritz a. d.
Elbe. Eine interessante Stadtführung brachte die Gruppe schließlich in
den weithin sichtbaren, 1681 erbauten Dom St. Stephan. Mit dem Lied „
Großer Gott wir loben Dich „ testete die Vogelsberger Besucher die
ausgezeichnete Akustik dieser gewaltigen Kirche. Die Einnahme des
Mittagsessens in der Traditionsgaststätte „ Budvarka“ war nur
durch das dort gleichzeitig übertragene
Weltmeisterschaftsfußballspiel getrübt, das Deutschland bekanntlich 0:1
gegen Serbien verlor. Am Nachmittag dieses Tages wurde mit der
Besichtigung der sog. Kleinen Festung in Theresienstadt noch ein sehr
nachdenkliches Kontrastprogramm geboten. Diesem Ort , ursprünglich
(1780) von Kaiser Joseph II. als strategisches Bollwerk gegen weiter
südwärts gerichtete Expansionsgelüste Preußens errichtet, später als
Gefängnis verwendet, wurde dann
von den Nationalsozialisten eine
ganz besondere Rolle zugewiesen: Vorzeigeort eines „jüdischen
Siedlungsgebietes“ und später „Juden-Altersghetto“ des Deutschen
Reiches.
Theresienstadt hatte damals die Funktion, die Vernichtung des europäischen Judentums zu vertuschen. Gleichwohl sind viele Tausend Juden an diesem Ort umgekommen, oder sie wurden nach unsäglichen Folterungen in das Vernichtungslager nach Auschwitz verbracht. Von den Eindrücken dieser Todesanlage überwältigt, waren die Reiseteilnehmer auf der Rückfahrt ins Hotel, durch das schöne Elbtal an der Burg Schreckenstein vorbei, verständlicherweise sehr schweigsam.
Für den folgenden Tag stand die „
Goldene Stadt Prag„ auf dem
Reiseprogramm. Zuvor wurde noch ein kurzer Abstecher zum Schloss Melnik
gemacht. Von dem viereckigen, aus dem 11. Jahrhundert stammenden Turm
der Propsteikirche St. Peter und Paul hatten die Teilnehmer einen
fantastischen Rundblick in die Weiten des Prager Moldaukessels, aber vor
allem auch auf den Zusammenfluss von Moldau und Elbe. Bei der Prager
Stadtbesichtigung wunderten sich diejenigen, die schon vorher ein oder
mehrmals diese tschechische Hauptstadt besucht hatten, dass es immer
wieder neue, von der Fremdenführerin sehr anschaulich dargestellte
Sehenswürdigkeiten dieser Metropole gibt. Obligatorisch stand
natürlich der Übergang auf der historischen Karlsbrücke und das
Verweilen am „Altstädter Ring“ auf dem Besichtigungsprogramm.
Diesen Tag rundete dann noch ein „ Böhmischer Abend“
im Hotel in Aussig
ab, bei dem es ausreichend Freibier für die Gäste bei Musik und Tanz
bis spät in die Nacht gab.
Viel zu schnell gingen die
erlebnisreichen Tage nach Nordböhmen zu Ende. Zum Schluss ging die Fahrt
durch das wunderschöne Elbsandstein entlang der Elbe zurück nach
Deutschland und die sächsische Hauptstadt Dresden. Highlight dieses
letzten Reisetages war
zweifelslos die
Sonder-Gruppenführung durch die „Frauenkirche“.
Dieses mit ihrer Weihe am 30.
Oktober 2005 wiederaufgebaute christliche Bauwerk löste bei den
Vogelsbergern Begeisterung, aber auch tiefe Ergriffenheit aus. Möge
dieses Gotteshaus weiterhin zu dem Ort werden, an dem das selbst
gewählte Motto des Wiederaufbaues „ Brücken bauen – Versöhnung leben“
die nötige Beachtung und die erforderliche Wirksamkeit erfährt, war die
einhellige Meinung der Besucher aus Oberhessen.
Fazit dieser Reise:
Es hat allen Teilnehmern gefallen, es war rundum eine gelungene
Bildungs- und Informationsreise in unser tschechisches Nachbarland mit
den unverkennbaren Merkmalen Jahrhunderte langer deutscher
Vergangenheit. Dem Kreisvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in
Lauterbach, Siegbert Ortmann, wurde eingeschränkt Dank und Anerkennung
für diese Initiative von der gesamten Gruppe zuteil.
21. Juni 2010
Siegbert Ortmann |