| Rundfunksender Aussig | ||
| Autor: Wolfgang Lill für Radiomuseum.org - Übersetzung ins Tschechische von Ing. E. Lederer, Aussig a. E. | ||
|
Rozhlasový vysílač Ústí nad Labem |
||
|
Home |
||
|
Auf Befehl der Naziverwaltung in Aussig
(Sudetengau) wurde im Herbst 1944 ein Rundfunksender installiert. Na podzim 1944 byl základě rozkazu nacistické správy v Ústí n.L. (Sudetengau) instalován rozhlasový vysílač. |
||
![]() |
Das Studio befand sich in einem
Bunker im
Marienfelsen. Der Wehrmachts-Mittelwellensender hatte im A3-Betrieb eine Leistung von 300 Watt. Man hatte in diesem kriegswichtigen Ort (Rüstungsindustrie) zuvor das Benachrichtigungssystem in Form von drahtgebundenen Lautsprecheranlagen und Sirenen ausgebaut. Bereits beim ersten Luftangriff am 14. 12. 1944 auf den Ortsteil Schreckenstein war diese drahtgebundene Anlage ausgefallen und teilweise auch die Sirenen. Deshalb wurde aus dem sicheren Bunker auf Mittelwelle 1190 KHz gesendet Studio bylo zřízeno v krytu v Mariánské skále. Vojenský středovlnný vysílač měl v provozním režimu A3 výkon 300 W. Již dříve byl v tomto pro zbrojní průmysl důležitém městě vybudován informační systém založený na soustavě sirén a reproduktorů propojených drátovým Bild 1 Schreckensteinmassiv |
|
|
|
|
| Bild2: Informationstafel zum Marienberg (Leider waren alle Tafeln so besprüht.) |
Bild3: Eingang zu einem Bunker. (ähnlich dem Rundfunksender-Bunker, der leider liquidiert ist.) |
Bild 4: Sendeantenne. Netzantenne , in einem Baum installiert. |
|
Die meisten der Einwohner besaßen damals die sogenannten Volksempfänger,
teilweise
auch batteriebetrieben.
Mit diesem 300-Watt-Sender konnte der Großraum Aussig erreicht werden. Dies bewährte sich bei der großen Bombardierung am 17. und 19. 04. 1945, wo neben Industriebetrieben das Stadtzentrum größtenteils zerstört wurde. Většina obyvatel tenkrát vlastnila t.zv. Volksempfänger , částečně dokonce napájený z baterií. Uvedeným vysílačem bylo proto možno pokrýt celý prostor tzv. velkého Ústí. To se osvědčilo při velkých náletech ve dnech 17. a 19.04.1945, při kterém bylo vedle průmyslových podniků z větší části zničeno i centrum města. |
|
Bild 5:
Stadtzentrum (Bild stammt
vom Mai 1945) |
|
| Auf gleichen Frequenzen wurden solche Sender auch in anderen Städten des
Sudentengaus installiert, so z. B. in Teplitz und Brüx (heute Most). Im Gebiet
Böhmen
und Mähren waren
Großsender
installiert. Sender der Böhmen sendete in deutsch auf 269,5 m = 1118 Khz
mit 100 KW. In dieser Region war auch der Prager Rundfunk auf 638 Khz,
mit 120 kW Sendeleistung zu empfangen, welcher auch regelmäßig das
deutsche Programm der Reichsrundfunk übernahm. Ziel der Kleinsender war es, vor allem in Gebieten, wo sich kriegswichtige Schwer- und Rüstungsindustrie befand, in erster Linie wichtige Luftlagemeldungen und entsprechende Hinweise an die Bevölkerung in diesem Gebiet dezentral zu senden. So wurden die Hermann-Göring-Werke in Oberleutensdorf (heute Litvinov) ab Mitte 1944 nahezu täglich bombardiert. Man hätte diese Meldungen auf den Hauptsendern ausstrahlen können, aber dies hätte zur Verunsicherung der Bevölkerung im Protektorat und Sudetengau geführt. |
|
|
Am 07. Mai 1945 wurde in Aussig der „Národni výbor“ (Nationalausschuss) von
Tschechen und deutschen Antifaschisten gegründet. Die Nazis hatten sich
größtenteils
abgesetzt und damit war es relativ einfach, die Machtübernahme zu sichern. Als
förderlich
erwies sich, dass der Chef der Ortspolizei sich auf die Seite des "Národní výbor
" stellte
und den Schutz und die Ordnung im Ort zusagte. Dne 7. května 1945 byl v Ústí n.L. založen Čechy a německými antifašisty |
|
![]() |
Ein 17-Jähriger hatte die wohl vorbereitete Sprengung des Senders verhindert. Der deutsche Bürgermeister Franz Czermak hatte Schlüssel von dem Bunkerzugang und stellte diese zur Verfügung. Bereits am 08. Mai 1945 um 14.00 Uhr ging der Sender wieder in Betrieb, also zu einem Zeitpunkt, wo die sowjetischen Truppen noch gar nicht die Stadt besetzt hatten. Der Sprecher Josef Sramek eröffnete diese erste Sendung mit dem Ausspruch: "Das Leben geht weiter!" Jistý sedmnáctiletý mladík měl údajně zabránit připravenému odstřelu vysílače. Německý starosta města Ústí nad Labem Franz Czermak měl klíče ke vchodu do krytu a dal je k dispozici. Již 08. května 1945 ve 14.00 začal vysílač znovu vysílat, tedy v době, kdy sovětská vojska ještě město neobsadila. Hlasatel Josef Šrámek zahájil první vysílání slovy: "Život jde dál !" |
|
| Bild 6: Rundfunksprecher J. Sramek im Bunkerstudio | ||
![]() Bild 7: Techniker bei der Arbeit: Zur Verfügung steht ein Mischpult mit Eingängen für Grammophon, Radio und Mikrofon von Siemens. Nun gewann der Sender eine neue Bedeutung. Er wurde zur Informationsquelle für die Einwohner, Behörden, Verwaltungen, Betriebe. Bereits am 13. Mai gab es einen täglichen Programmablauf. |
||
![]() |
Die Nachrichten wurden zweisprachig gesendet, das Programm aus Prag war in tschechisch. Bild 8: Vor dem Sender. Die Nutzung deutscher Armeekleidung war damals üblich. |
|
|
Dank einer Stenotypistin aus den Aussiger Schicht-Werken sind uns die
Durchsagen,
Sendepläne usw. erhalten geblieben. Bereits am 13. Mai wird folgender Sendeplan
verkündet, hier mit den Worten von Josef Sramek selbst:
„Wir machen unsere Hörer darauf aufmerksam, dass wir zu jeder vollen Stunde Nachrichten geben. Außerdem hören Sie um 10 Uhr Nachrichten aus Prag, um 13.00 Uhr und um 15.00 Uhr schalten wir ebenfalls auf Prag. Sie hören den Nachrichtendienst. Von 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr hören Sie unser Mittagskonzert und abends unsere bunte Folge. 5 Minuten vor jeder Stunde hören Sie unser Pausenzeichen, das wir bis zur Meldung durchgeben.“ Die Nachrichten wurden zweisprachig gesendet, das Programm aus Prag war in tschechisch. Natürlich standen die Meldungen des ,,Národní výbor zu organisatorischen Problemen in der Stadt zur Verfügung. Zásluhou stenografky ze Schichtových závodů (nyní Setuza) se zachovaly programové plány a hlášení. Již 13. května byl vyhlášen tento plán vysílání – zde slovy Josefa Šrámka: "Upozorňujeme naše posluchače, že každou celou hodinu budeme vysílat zprávy. Navíc v 10.00 hodin uslyšíte zprávy z Prahy, také ve 13.00 a v 15.00 hodin přepínáme na Prahu. Uslyšíte zprávy. Od 12.00 do 14.00 hodin uslyšíte náš polední konzert a večer vysílání pestrého programu. Pět minut před každou celou hodinou uslyšíte časové znamení, které bude trvat až do zpráv." |
Erstmals am 13. Mai werden Befehle des
sowjetischen Militärkommandos verlesen. Man gibt z. B. den Befehl, dass
die noch hängenden weißen Fahnen zu entfernen sind und das Tragen von
weißen Armbinden ebenfalls untersagt wird. Interessant ist dazu, dass
die Prager Regierung das Tragen der weißen Armbinden und dadurch die
Kennzeichnung aller Sudetendeutschen befohlen hatte!
|
| Am 18. Mai kam es jedoch zu einem Ausfall des Senders in der Endstufe. Der Aussiger Josef Munka, beschäftigt bei Siemens & Halske in Aussig, installierte zwei neue 100-Watt-Pentoden, welche mit 1000 V betrieben wurden. Damit konnte ab 21. Mai 1945 der Sender wieder in Betrieb gehen, aber nur noch mit 200 Watt Leistung. (s. Bild 9) |
Ab 29. 05. 1945 gibt es neue Sendezeiten und Sendefolgen :
|
||||||||
![]() |
Inhalt des Schreibens: Man hatte in Prag erfahren, dass in Ústí nad Labem ein Rundfunksender betrieben wird. Das ist unzulässig und der Sendebetrieb ist sofort einzustellen. Es muss in den folgenden Tagen einen regen Telefonverkehr zwischen Prag und Ústí nad Labem gegeben haben. Leider ist dazu nichts überliefert, aber die Verwaltung erreichte, dass der Sender weiter betrieben werden durfte. Mit Schreiben vom 01. 08. 1945, gerichtet an alle öffentlichen Ämter und Behörden, teilt die Kreis-Rechts- Kommission in Ústí nad Labem mit, dass der Sender täglich die Informationen der Rechts-Kommission und der Bezirks- und örtlichen Nationalverwaltung bekannt macht. Der benannte Personenkreis ist dazu angehalten, die Meldungen um 8.30 Uhr, 12.30 Uhr und 20.00 Uhr auf Mittelwelle 260 m anzuhören. Weiterhin werden Radioapparate zur Verteilung gestellt, sofern bei diesen Ämtern keiner vorhanden ist. Bild 10: Schreiben aus Prag |
|
|
Das Datum des Umzuges des Senders ist nicht genau bekannt. Die vorhandene
Technik
und auch die Antenne wurden erst einmal übernommen. Neuer Standort war dann die
Palastvilla von Carl Friedrich Wolfrum. Dieses historisch sehr wertvolle Gebäude
in der
Straße na Schodech 10, gebaut 1897-1899, verließen die Besitzer zu Kriegsende.
Nun war auch der große Nachteil, die Tallage des Senders im Schatten des Marienfelsens, verschwunden. Die Villa befindet sich hoch über der Stadt und da konnte man mit 200 Watt effektiver senden. In den Nachtstunden war dieser Sender sogar in Prag zu empfangen. |
||
![]() |
||
| Bild 11: Palastvilla von Carl Friedrich Wolfrum; heute beherbergt sie das Studio
des
Nordböhmischen Rundfunks. |
||
|
Ab Oktober 1945 begann aus der Villa das Bezirksstudio des Tschechoslowakischen
Rundfunks auf der Frequenz 701 kHz zu senden. Im Juni 1945 erhielt der Sender zunächst drei provisorische Senderäume im Zentrum der Stadt. Im Dachgeschoß der Sparkasse arbeitete nun die Redaktion und es spannten sich Senderdrähte im Zentrum der Stadt. Inzwischen war man dazu übergegangen, wohl auch auf Weisung der Prager Regierung, alle Ansagen nur noch in tschechischer Sprache zu senden. Um den noch dort wohnenden Deutschen, welche häufig der tschechischen Sprache total unkundig waren, die oftmals wichtigen Meldungen zu übermitteln, wurden diese häufig übersetzt und an zentralen Punkten wie Metzger oder Bäcker ausgehängt. Die Wolfrum-Villa war jedoch für ein dauerhaftes Rundfunkprogramm schon vorgesehen. |
||
![]() |
||
| Mit einem Aufruf des Nordböhmischen Senders Ústí n. L. von Mitte Oktober 1945 begann eine große Aktion für den Ausbau des neuen Senders in Ústí n. L. | ||
![]() Bild 13: Aufruf in ,,Mláda fronta" vom 27.10.1945 |
||
|
Die deutsche Übersetzung: Eine Woche Arbeit für den nordböhmischen Sender Aussig a. d. E.. Unter diesem Motto begann eine große Aktion, die für den Ausbau eines neuen Senders in Aussig bestimmt wurde. Es handelt sich um den Nordböhmischen Regionalsender, welcher dem hiesigen Volke dienen sollte und welchen sich die Aussiger Kolonisten (zur Erläuterung die neuen Einwohner der Stadt) für ihre opferwillige und emsige Arbeit sicher verdienen. Schon bloßem Aufruf wurden Schallplatten. Lautsprecher, verschiedenes technisches Material hergebracht und es gab auch Fleißige, die ganze Möbelstücke anlieferten. Die Einrichtung dieses Senders wurde vom (wörtlich übersetzt) Gau Böhmisch Leipa am Parteitag der Tschechischen Nationalistischen Partei einstimmig unterstützt. Der Minister für Information und Aufklärung, Herr Kopecky, erklärte, dass Aussig als ausgewählte Stadt Zentrum des Tschechischen Nordens (gemeint Nordböhmen) die einzige und geeignetste Stelle für die Lösung des Problems darstellt. Ebenso riefen auch andere Gewerkschaften und Ämter nach Errichtung von diesem ,,Mittler" zwischen dem Zuhause und der Welt. |
||
| Ein genauer Termin des Umzugs in die Wolfrum-Villa (siehe Bild 11) konnte ich leider nicht ermitteln. Es war auf jeden Fall im November 1945, denn in der "Mlada Fronta (Regionale Tageszeitung) erschien ab Mitte November täglich das Rundfunkprogramm nicht nur der Sender Prag 1 und Prag 2, sondern nun auch von Ústí nad Labem. Das Programm wurde stundenweise ausgestrahlt und zeitlich ständig erweitert. | ||
![]() Bild 14: Programm vom 23. 12. bis 25. 12. 1945 |
Als Beispiel hier ein Ausschnitt
des Weihnachtsprogramms von 1945 (Bild 14) Ab 01. 03. 1947 wird Radio Ústí n. L. angeschlossen und heißt jetzt "Nordböhmischer Rundfunk des Tschechoslowakischen Rundfunks" (Severočesky vysilač prevzat Československym rozlasem9. Mit dieser Lösung, so die Begründung, konnte die Qualität der Sendungen wesentlich verbessert werden. Im Jahr 1949 hielt auch neue Technik Einzug. So bekam der Sender ein gebrauchtes Tonbandgerät der US-Armee mit immerhin 80 kg Eigengewicht. Später kam auch ein Reportagetonbandgerät "Elfis" zum Einsatz, was samt Akkumulatoren ca. 30 kg wog. V roce 1949 nastoupila nová technika. Vysílač tehdy obdržel použitý magnetofonový přístroj americké armády vážící 80 kg. Později byl používán i reportážní magnetofon "Elfis", který spolu s akumulátory vážil asi 30 kg. Im Jahre 1950 wird dem Sender im Rahmen des Kopenhagener Wellenplans die Frequenz 701 kHz zugeteilt, maximale Sendeleistung 4 kW. Es gibt noch eine weitere Mittelwellenfrequenz für Ústí n. L. auf 1520 kHz, Leistung max. 2 kW V roce 1950 byla vysílači v rámci Kodaňské úmluvy o vysílacích kmitočtech přidělena frekvence 701 kHz s maximálním výkonem 4 kW. Pro Ústí n.L. však existuje ještě další středovlnná frekvence 1520 kHz, s maximálním výkonem 2 kW. V roce 1950 byla vysílači v rámci Kodaňské úmluvy o vysílacích kmitočtech přidělena frekvence 701 kHz s maximálním výkonem 4 kW. Pro Ústí n.L. však existuje ještě další středovlnná frekvence 1520 kHz, s maximálním výkonem 2 kW. Nach dem Genfer Wellenplan, welcher ab 23. 11. 1978 gilt, änderte sich die Frequenz des Nordböhmischen Rundfunks auf 701 kHz, Sendeleistung nunmehr 14 kW. Bereits in den 60-er Jahren wird nun auch wieder dreimal täglich ein Programm für die Deutschen ausgestrahlt. Dies hatte eine Länge von ca. 27 Minuten und die Frühsendung wurde nachmittags und abends wiederholt. |
|
| Bedanken möchte ich mich für die Unterstützung insbesondere beim Stadtarchiv Ústí nad Labem, Herrn Dr. Vladimír Kaiser, Frau Dr. Hladikova, und beim Bezirksmuseum Ústí nad Labem bei Herrn Houfek und Frau Houfkova sowie bei Herrn E. Naus aus Teplice. | ||
| Die Archivbilder wurden mir freundlicherweise zur Veröffentlichung im
Radiomuseum zur
Verfügung gestellt. Die anderen Farbbilder sind eigene Aufnahmen. Wolfgang Lill Mit Genehmigung des Autos für das Internet bearbeitet, von K.H. Kralowetz München, nach einer Vorlage von Wolfgang Eckardt, 16.03.2010 |
||
Rozhlasový vysílač Ústí nad Labem
Autor : Wolfgang Lill pro Radiomuseum.org
Od listopadu 1945 začalo vysílat Krajské studio Českého rozhlasu na frekvenci 701 kHz.
Jako příklad uvádím část vánočního programu z roku 1945 (obr. 14).
Redakčně přepracoval : Wolfgang Eckhardt, 21.03.2010
Obr. 2 : Informační tabule na Mariánské skále
(bohužel postříkána vandaly)
Obr. 3 : Vchod do jednoho z krytů (podobný krytu s vysílačem, který byl zrušen).
Obr. 4 : Vysílací anténa – síťová
anténa
na stromě
Obr. 5 : Střed města (květen 1945)
Obr. 6 : Hlasatel J. Šrámek ve studiu v krytu
Obr. 8 : Před vysílačem. Běžné tehdy bylo i využití německé vojenské výstroje.
Obr. 9 : Rekonstruovaný vysílač
Obr. 11 : Palácová vila Carl Friedrich
Wolfrum, nyní je v ní studio Severočeského
rozhlasu
Obr. 12 : Spořitelna v Ústí n.L. – historický snímek z roku 1940
Obr. 13 : Výzva v Mladé frontě z 27.10.1945
Obr. 14 : Rozhlasový program 23. až 25.12.1945
Obr. 15 : Rozhlasový a televizní vysílač Buková hora (Foto Google)